Wellensittich-Haltung gelingt mit wenigen Handgriffen, wenn Sie die Gefahren vorher aus dem Weg räumen. Und es ist nie zu spät: Auch wenn schon ein Spiegel hängt oder eine Teflonpfanne auf dem Herd steht, lässt sich beides heute ändern.
Fensterscheiben, Spiegel, heisse Herdplatten und Antihaft-Pfannen zählen zu den grössten Gefahren beim Freiflug.
Einzelhaltung ist in der Schweiz verboten; empfohlen sind mindestens zwei Paare.
Für bis zu 4 Vögel gelten mindestens 0,24 m² Grundfläche und 0,12 m³ Volumen (Gesetz).
Wir geben Vögel nur in Gehege mit mindestens 0.5m2 Grundfläche ab.Private Haltung benötigt keine Bewilligung
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Wellensittich-Haltung vogelsicher einrichten: So entschärfen Sie die grössten Gefahrenquellen
Sieben Gefahrenquellen stecken in den meisten Wohnungen, und lassen sich schnell entschärfen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sagt es für den Freiflug klar: Fenster schliessen und Herd, Pfannen sowie andere Haustiere als Gefahren vermeiden.
Gefahrenquelle | Risiko | Lösung |
|---|---|---|
Fenster und Glasflächen | Der Vogel erkennt Glas nicht als Hindernis und fliegt mit Tempo dagegen. | Fenster beim Freiflug geschlossen halten, Vorhänge zuziehen oder Muster auf die Scheibe kleben. |
Spiegel | Der Vogel hält die Spiegelfläche für freien Raum und prallt dagegen. | Spiegel im Freiflugraum abhängen oder abdecken. |
Herdplatten und heisse Töpfe | Beim Landen drohen Verbrennungen an Füssen und Brust. | Beim Freiflug nicht kochen. Die Küche bleibt Tabuzone. Das Kochfeld geben Sie erst nach dem Abkühlen frei. |
Antihaft-Pfannen (PTFE) | Die Dämpfe der überhitzten Beschichtung können Vögel vergiften. | Pfannen ohne PTFE nutzen und den Vogel beim Kochen in einem anderen Raum lassen. |
Kabel und Steckdosen | Vögel knabbern an Kabeln, und ein Stromschlag ist möglich. | Kabel in Kabelkanälen führen, Geräte ausstecken und Steckdosen sichern. |
Duftkerzen, Raumsprays und Aerosole | Die Stoffe reizen die empfindlichen Atemwege. | In der Wohnung darauf verzichten und gut lüften. |
Zugluft | Durchzug belastet die Tiere. Vorgeschrieben ist Frischluft, aber kein Durchzug. | Käfig und Freiflugplatz abseits von Fenster- und Türzug aufstellen. Stossweise lüften, wenn der Vogel im Käfig sitzt. |
Die Antihaft-Pfanne verdient mehr als eine Tabellenzeile. Wird die Beschichtung sehr heiss, setzt sie Dämpfe frei. Sie riechen davon kaum etwas. Ein Vogel atmet dagegen sehr effizient (heisst: Er nimmt mit jedem Atemzug viel Luft auf), und schon kleine Mengen können ihm schwer schaden. Das kann schnell tödlich enden.
PTFE (Polytetrafluorethylen) ist der Kunststoff hinter vielen Antihaft-Beschichtungen und unter dem Markennamen Teflon bekannt. Steht auf einer Pfanne „antihaftbeschichtet“, ist häufig PTFE im Spiel.
Was heisst das fürs Kochen? Pfannen nie leer aufheizen. Besser fahren Sie mit Pfannen aus Edelstahl oder Gusseisen. Vogel in anderen Raum, schliessen Sie die Tür und lüften Sie die Küche gut. Auch Backformen und Heissluftfritteusen können beschichtet sein. Schauen Sie dort ebenfalls hin.
Giftige Zimmerpflanzen erkennen und unerreichbar machen
Wellensittiche knabbern an allem, was grün ist, und manche Zimmerpflanzen vertragen sie schlecht. Giftige Pflanzengruppen sollten aus dem Freiflugraum verschwinden:
Aronstabgewächse (Dieffenbachia, Philodendron), Oleander, Azaleen und Wolfsmilchgewächse (Weihnachtsstern)
Efeu, Alpenveilchen, Zwiebelblumen (Amaryllis) und Avocadopflanzen
Die Liste ist nicht vollständig, und wie giftig eine Pflanze ist, hängt von Pflanzenteil und Menge ab. Die sichere Lösung ist einfach: Pflanzen weggeben oder unerreichbar machen. Bei einer unbekannten Pflanze gilt dasselbe, bis Sie Genaueres wissen.
Den Freiflug-Raum in 5 Schritten absichern
Ein einziges Zimmer reicht, wenn Sie es gründlich vorbereiten. Gehen Sie diese fünf Schritte einmal vor dem ersten Freiflug durch.
Wählen Sie einen überschaubaren, haustierfreien Raum (keine Küche) und räumen Sie auf.
Sichern Sie Fenster und Spiegel: Fenster zu, Vorhänge zu, Spiegel abgehängt.
Entfernen Sie giftige Pflanzen, sichern Sie Kabel und offene Wasserbehälter ausser Reichweite.
Verschliessen Sie Spalten ab 1,2 cm zwischen oder hinter Möbeln.
Sperren Sie andere Haustiere aus, schliessen Sie die Türen und lassen Sie die Käfigtür offen.
Aus der Vogelperspektive prüfen und Lücken entdecken. Dabei fallen oft noch Lücken auf.
Beobachten Sie Ihren Vogel beim ersten Freiflug in Ruhe. Flattert er hektisch gegen Wände oder schreit er lauthals, ist ihm womöglich nicht wohl. Dasselbe kann gelten, wenn er sich an Vorhängen festklammert oder auf einer Stelle erstarrt. Beenden Sie dann den Freiflug, setzen Sie den Vogel zurück in den Käfig und lassen Sie ihn zur Ruhe kommen. Bleibt er auch dort auffällig, fragen Sie eine vogelkundige Tierarztpraxis um Rat.
Haustiere beim Freiflug draussen lassen. Auch ein friedliches Tier bleibt ein Jäger, und schon ein Kratzer kann für einen Vogel gefährlich werden. Gewöhnen Sie die Tiere langsam aneinander: Der Käfig steht erhöht und stabil, das Haustier schnuppert aus der Ferne und bleibt dabei ruhig. Belohnen Sie ruhiges Verhalten und erzwingen Sie nichts. Freiflug ohne Haustiere im Raum.
Was die Schweizer Tierschutzverordnung für Wellensittiche vorschreibt
Die Tierschutzverordnung (TSchV) setzt für Wellensittiche klare Mindestwerte. Die wichtigsten finden Sie in der Tabelle, die Grundlage ist das BLV-Merkblatt „Wellensittiche im Recht“.
Vorgabe | Was gilt |
|---|---|
Gruppengrösse | Einzelhaltung ist verboten, es braucht mindestens einen Artgenossen. |
Mindestfläche bis 4 Vögel | 0,24 m² Grundfläche und mindestens 0,12 m³ Volumen, zum Beispiel 40 × 60 cm bei 50 cm Höhe. |
Jeder weitere Vogel | Zusätzlich 0,05 m² Fläche. |
Sitzgelegenheiten | Federnd, unterschiedlich dick und ausgerichtet, keine fest montierten Stäbe. |
Freier Raum | Ein Drittel des Volumens bleibt frei von Strukturen. |
Beleuchtung | Tageslicht oder nicht flimmerndes Kunstlicht. Das Licht herkömmlicher Neonröhren nehmen Wellensittiche als Flimmern wahr. |
Klima und Lärm | Angepasstes Klima mit Frischluft, kein längerer übermässiger Lärm. |
Das BLV nennt das selbst nur das Minimum. Herkömmliche Käfige sind für eine artgerechte Haltung viel zu klein. Mehr zu den Tieren selbst steht im Steckbrief zum Wellensittich.
Gut zu wissen: Private Haltung benötigt weder Ausbildung noch Bewilligung.
Eine kantonale Bewilligung verlangt das Gesetz erst, wenn Sie pro Jahr die Nachzucht von mehr als 25 Paaren abgeben.
Wie lange der Freiflug dauern soll, legen die Fakten des BLV nicht in Stunden fest. Je kleiner der Käfig, desto wichtiger ist der tägliche Auslauf. Planen Sie ihn jeden Tag ein, am besten morgens und abends, und nur unter Aufsicht.
Zur Grundausstattung gehören ein Käfig oder eine Voliere mit Platz zum Fliegen, federnde Sitzstangen und eine Badegelegenheit. Dazu kommen reichlich Naturäste für Vögel zum Nagen und Klettern. Sandhülsen als Überzug auf Sitzstangen sind verboten. Sie können die Füsse verletzen. Ausserdem muss der Vogel geeigneten Sand aufnehmen können, um sein Futter zu verdauen. Bei mehreren Tieren muss jedes genug Futter und Wasser bekommen, mehrere Näpfe an verschiedenen Stellen helfen dabei. Wer das Tageslicht ersetzen will, findet Vogellampen in der Kategorie Vogelbeleuchtung bei Zoo Roco, darunter UV-Vogellampen für Wellensittiche.
Richtig reagieren: Erste Hilfe bei Unfall oder Vergiftung
Bei einem Unfall oder Verdacht auf Vergiftung heisst es: Vogel ruhig halten, sofort Tierarzt anrufen, die Vögel behandelt. Die folgenden Hinweise überbrücken die Zeit bis dahin und ersetzen den Tierarztbesuch nicht.
Scheibenanflug: Vogel in warme, abgedunkelte Box mit Luftlöchern, nicht füttern. Zum Tierarzt, auch wenn er sich erholt.
Vergiftung: Vogel weg von der Quelle, an die frische Luft. Praxis anrufen, Quelle bereithalten. Kein Erbrechen auslösen.
Verletzung: Vogel ruhig, warm und dunkel in Transportbox zur Praxis. Wunden nicht selbst verarzten.
In allen drei Fällen zählt jede Minute, deshalb lohnt sich eine kleine Vorbereitung.
Vorsorge: Notieren Sie sich vor dem ersten Freiflug die Nummer einer Tierarztpraxis, die Vögel behandelt. Notieren Sie auch die Notfallnummer für Zeiten ausserhalb der Öffnungszeiten.
Offene Wasserbehälter sind ein zusätzliches Risiko: Ertrinken in Behältern möglich: Gläser, Vasen, Eimer, Toiletten. Auch heisse Getränke sind gefährlich. Behälter abdecken oder leeren, bevor der Vogel frei fliegt. Auch Reste von Putzmitteln im Waschbecken sollten weggespült werden.
Sicherheit als tägliche Gewohnheit verstehen
Vogelsicherheit ist keine einmalige Liste. Sie wird zur Gewohnheit beim Lüften, Kochen und Umräumen. Monatliche Kontrolle mit frischem Blick: Ist ein neuer Topf, eine neue Pflanze oder eine neue Kerze dazugekommen? Verständlich, wenn Sie beim Durchgehen etwas finden, das Sie besser früher entfernt hätten. Behoben ist es in wenigen Minuten. Bei Fragen zu Käfig, Ausstattung und Haltung berät Sie das Team von Zoo Roco persönlich im Laden in Lyss und online.
Häufige Fragen zur Wellensittich-Haltung
Kann ich meinen Wellensittich auch in einer kleinen Wohnung halten?
Ja, wenn Käfig oder Voliere die Mindestmasse erfüllen und mindestens zwei Wellensittiche darin leben. Für den Freiflug genügt ein einziger, gut abgesicherter Raum. Planen Sie lieber mehr Platz ein als das gesetzliche Minimum.
Wie oft muss ich den Käfig reinigen, damit es hygienisch bleibt?
Näpfe reinigen und füllen Sie täglich frisch, den Käfigboden prüfen Sie täglich und wechseln ihn alle paar Tage. Eine Grundreinigung steht etwa wöchentlich an. Bei mehreren Vögeln fällt mehr Schmutz an, dann reinigen Sie öfter.
Darf ich Duftkerzen oder Raumsprays nutzen, wenn der Vogel nicht im selben Raum ist?
Selten empfehlenswert. Duftstoffe und Rauch verteilen sich auch in andere Räume, und Vögel reagieren empfindlich auf Reizstoffe in der Luft. Verzichten Sie am besten ganz darauf oder lüften Sie gründlich, bevor der Vogel zurückkommt.
Was mache ich, wenn mein Wellensittich trotz Vorsicht ängstlich bleibt?
Geben Sie ihm Zeit und Ruhe. Sprechen Sie leise mit ihm, bewegen Sie sich langsam und lassen Sie ihn selbst aus dem Käfig kommen. Hält die Angst über Wochen an oder frisst er schlecht, klären Sie es mit einer vogelkundigen Tierarztpraxis.
Darf ich die Flügel stutzen, damit mein Wellensittich nicht gegen Fenster fliegt?
Nein. Das Coupieren der Flügel ist in der Schweiz verboten (Art. 24 TSchV), ebenso andere operative Eingriffe zur Erleichterung der Haltung. Sichern Sie Fenster und Spiegel, dann braucht es keinen Eingriff.