Panzerwelse, Antennenwelse, Otocinclus und L-Welse gehören zu den beliebtesten Süsswasserwelsen im Aquarium und übernehmen dort vor allem den Bodenbereich. Jede dieser vier Gruppen braucht eine eigene Beckengrösse, eine eigene Wassertemperatur und vor allem ein gezieltes Futterangebot, denn von Algen und Resten allein wird kein Wels satt. Wie sich die Arten in Grösse, Ansprüchen und Verhalten unterscheiden, zeigt dieser Überblick.
Im Zoofachgeschäft wirken die meisten Jungtiere winzig und unauffällig, wachsen aber je nach Art sehr unterschiedlich schnell und unterschiedlich weit. In der Beratung bei Zoo Roco erleben wir immer wieder, dass gerade beim L-Wels die spätere Endgrösse unterschätzt wird. Wer vorher weiss, welche Art zum eigenen Becken passt, erspart sich später ein Tier, das im zu kleinen Aquarium nicht artgerecht wachsen kann.
Vier Punkte entscheiden, welche Welsart tatsächlich zu Ihrem Aquarium passt:
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Panzerwelse leben in Gruppen ab 6 bis 10 Tieren und brauchen je nach Art ab 54 bis 100 Liter Beckenvolumen.
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Antennenwelse werden 10 bis 15 Zentimeter lang und benötigen zwingend Holzwurzeln für die Verdauung.
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Otocinclus dürfen erst in ein Aquarium einziehen, das seit Monaten eingefahren ist und Algenaufwuchs bietet.
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L-Welse reichen von wenigen Zentimetern bis über einen Meter, weshalb die Art vor dem Kauf feststehen muss.
Welche Welsarten kommen für Ihr Aquarium infrage?
Für ein normales Süsswasseraquarium eignen sich vor allem vier Gruppen: Panzerwelse, Antennenwelse, Otocinclus und die grosse, sehr unterschiedliche Familie der L-Welse. Alle vier leben überwiegend am Boden oder an Scheiben und Wurzeln, unterscheiden sich aber stark in Grösse und Platzbedarf. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Eckwerte, bevor Sie sich für eine Art entscheiden.
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Welsart |
Grösse / Artenvielfalt |
Mindestbeckenvolumen |
|---|---|---|
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Panzerwelse (Corydoras) |
über 150 Arten, meist kleine Bodenfische |
ab 54 Litern bei Zwergarten, sonst 60 bis 100 Liter |
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Antennenwelse (Ancistrus) |
10 bis 15 cm |
ab 112 Litern (80 bis 100 cm Kantenlänge) |
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Otocinclus |
4 bis 5 cm |
ab 60 Litern |
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L-Welse / Harnischwelse |
3 cm bis über 100 cm, je nach Art |
100 Liter bis über 1’700 Liter, je nach Art |
Wer sein Aquarium noch plant, sollte die spätere Besatzwahl schon in die Beckengrösse einrechnen, statt umgekehrt erst den Fisch und danach ein passendes Becken zu suchen. Wie sich Beckengrösse, Technik und Besatz sinnvoll aufeinander abstimmen lassen, zeigt unser Ratgeber Aquarium einrichten: Schritte, Technik und Besatz.
Panzerwelse (Corydoras): Der Gruppenwels für den Bodengrund
Panzerwelse leben ausschliesslich in Gruppen und sollten mit mindestens 6 bis 10 Tieren gehalten werden, bei kleinbleibenden Arten auch mit mehr Tieren. Mit über 150 beschriebenen Arten ist Corydoras eine der artenreichsten Welsgattungen überhaupt. Kleine Zwergarten wie Corydoras hastatus oder Corydoras pygmaeus fühlen sich sogar erst in Trupps von mehr als zehn Tieren wirklich sicher.
Beim Beckenvolumen liegt die Spanne zwischen 54 Litern für Zwergpanzerwelse ab 60 Zentimetern Kantenlänge und 60 bis 100 Litern für die meisten Standardarten. Wohl fühlen sich die meisten Panzerwelse bei 22 bis 26 Grad, wobei einzelne Arten je nach Herkunft auch 18 bis 28 Grad vertragen. Corydoras paleatus etwa kommt sogar mit kühleren 18 bis 24 Grad zurecht, was ihn zu einer robusten Wahl für ungeheizte Gesellschaftsbecken macht.
Gut zu wissen: Panzerwelse graben mit ihren Barteln ständig im Bodengrund. Ein feiner, kantenarmer Sand schützt die empfindlichen Barteln besser als grober Kies, an dem sie sich wund scheuern können.
Antennenwelse (Ancistrus): Warum sie Holz im Becken benötigen
Antennenwelse werden im Aquarium meist 10 bis 15 Zentimeter lang und benötigen dafür ein Becken ab rund 80 bis 100 Zentimetern Kantenlänge, was etwa 112 Litern entspricht. Ohne Holzwurzeln im Becken drohen Ancistrus jedoch Verdauungsstörungen, denn sie raspeln gezielt Lignin und Zellulose aus dem Holz für ihre Verdauung. Eine Wurzel ist bei dieser Art also kein Dekoelement, sondern Teil der Grundausstattung.
Laut my-fish.org nagen Antennenwelse über Wochen sichtbare Spuren in weiches Holz, bevor sie zur nächsten Wurzel wechseln. Dazu kommen enge Verstecke wie Röhren oder Halbhöhlen, in die sich vorwiegend die Männchen tagsüber zurückziehen. Passendes Holz für den Einsatz im Becken muss zuvor richtig vorbereitet werden; wie das gelingt, zeigt unser Beitrag Aquarium-Wurzel kaufen: So bereiten Sie Holz sicher vor.
Otocinclus: Warum der Ruf als Scheibenputzer täuscht
Otocinclus, auch Ohrgitterharnischwelse genannt, werden nur 4 bis 5 Zentimeter gross und leben am wohlsten in Gruppen ab mindestens sechs Tieren in einem Becken ab etwa 60 Litern. Beliebt sind sie vor allem, weil sie Algen von Scheiben und Pflanzen abweiden. Genau dieser Ruf wird ihnen aber oft zum Verhängnis, denn in einem frisch eingerichteten Aquarium fehlt der natürliche Algen- und Biofilmaufwuchs, von dem sie sich ernähren.
Otocinclus sollten deshalb erst in ein Becken einziehen, das seit mehreren Monaten eingefahren ist, nicht nur die technisch nötigen vier Wochen. Sonst verhungern viele Tiere in zu jungen Becken trotz zusätzlicher Fütterung, weil der Bewuchs auf Scheiben und Dekoration schlicht fehlt. Wie Sie den Zustand Ihres Wassers und damit auch die Reife des Beckens zuverlässig einschätzen, lesen Sie in unserem Ratgeber Wasserwerte im Aquarium messen.
L-Welse und Harnischwelse: Warum die Kaufgrösse täuscht
Bei L-Welsen reicht die Endgrösse je nach Art von wenigen Zentimetern bis über einen Meter. Die meisten im Handel gängigen Gattungen wie Ancistrus, Hypancistrus oder Peckoltia bleiben mit 10 bis 15 Zentimetern überschaubar. Einzelne Arten sprengen diesen Rahmen jedoch deutlich: Der Wabenschilderwels Pterygoplichthys gibbiceps kann aber bis zu 45 bis 50 Zentimeter lang werden. Deshalb bieten wir diesen Fisch bei uns nicht im Sortiment an. Die Beckenbreite muss da nach Gestetz 90-100cm Betragen – die Länge ist nicht festgelegt, aber 300cm sind empfehlenswert!
Noch deutlicher wird die Spanne bei Pterygoplichthys disjunctivus, der bis zu 70 Zentimeter erreicht und dafür ein Becken ab rund 1’700 Litern und 300 Zentimetern Kantenlänge benötigt, ein Extremfall, der die meisten Heimaquarien sprengt. Diese Riesenwelse passen sich in ihrer Grösse keinesfalls dem Becken an: Fische, die für ihr Aquarium zu gross werden, leiden dort unter Kümmerwuchs und erreichen bei weitem nicht ihr natürliches Alter.
Vorsicht beim Kauf: Ein 4 Zentimeter kleiner L-Wels im Verkaufsbecken sagt nichts über seine Endgrösse aus. Fragen Sie vor dem Kauf gezielt nach der Art und der zu erwartenden Endgrösse, nicht nur nach der aktuellen Grösse im Becken.
Füttern Sie Ihre Welse richtig: Der Mythos vom Resteverwerter
Welse gelten im Volksmund als Resteverwerter oder Scheibenputzer, die praktisch von selbst satt werden. Diese Vorstellung ist falsch, denn viele Arten sind Futterspezialisten, die trotz vollem Bauch regelrecht verhungern können, wenn sie nur Algen oder Futterreste bekommen. Panzerwelse, Antennenwelse und L-Welse benötigen deshalb regelmässig eigenes Futter wie Futtertabletten, Gemüsestücke oder Frostfutter, das gezielt auf den Boden sinkt.
Der natürliche Aufwuchs im Becken reicht allenfalls als Ergänzung, nie als alleinige Futterquelle.
Bodenbewohner mit Weitblick auswählen
Wer die vier Welsgruppen nebeneinander betrachtet, erkennt ein Muster: Nicht die Beliebtheit einer Art entscheidet über die Eignung fürs eigene Becken, sondern die Kombination aus Endgrösse, Gruppenbedarf und Fütterung. Ein Zwergpanzerwels und ein Pterygoplichthys teilen sich zwar dieselbe Bezeichnung «Wels», leben aber in vollkommen unterschiedlichen Welten.
Bevor ein neuer Wels einzieht, lohnt sich deshalb ein kurzer Realitätscheck: Wie gross wird die Art wirklich, wie viele Artgenossen braucht sie, und ist das Becken alt genug für ihre Ernährung? Wir bei Zoo Roco beraten Sie gerne dazu, welche Welsart tatsächlich zu Ihrem vorhandenen Aquarium passt.
Häufig gestellte Fragen zu Welsen im Aquarium
Vertragen sich verschiedene Welsarten im selben Becken?
Ja, viele Bodenwelse lassen sich kombinieren, solange ihre Ansprüche an Wasserwerte und Temperatur zusammenpassen. Panzerwelse und Antennenwelse ergänzen sich in der Praxis oft gut, weil beide ähnliche Temperaturbereiche mögen. Wichtig ist genug Bodenfläche und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für alle Tiere.
Wie oft sollten Welse Futtertabletten bekommen?
Am zuverlässigsten funktioniert eine tägliche, kleine Gabe von Futtertabletten am Abend, wenn die meisten Welse aktiv werden. So bekommen die überwiegend nachtaktiven Bodenbewohner ihr Futter, bevor tagaktive Fische es wegfressen. Überschüssige Reste sollten Sie am nächsten Tag entfernen.
Warum raspelt mein Antennenwels ständig am Holz?
Antennenwelse raspeln am Holz, weil sie Lignin und Zellulose für ihre Verdauung brauchen, nicht weil ihnen Futter fehlt. Dieses Verhalten ist normal und sollte nicht unterbunden werden. Ohne Holz im Becken drohen ihnen auf Dauer Verdauungsprobleme.
Kann ich Otocinclus direkt in ein neues Aquarium setzen?
Nein, ein frisch eingerichtetes Becken bietet noch keinen ausreichenden Algen- und Biofilmaufwuchs für Otocinclus. Die Tiere sollten erst nach mehreren Monaten Einlaufzeit einziehen, deutlich länger als die gesetzlich empfohlenen vier Wochen. Andernfalls drohen ihnen Mangelernährung und Verluste.
Wie erkenne ich vor dem Kauf, wie gross ein L-Wels wirklich wird?
Die aktuelle Grösse im Verkaufsbecken sagt nichts über die Endgrösse aus, da viele L-Welse jung verkauft werden. Fragen Sie im Fachgeschäft gezielt nach dem wissenschaftlichen Namen oder der L-Nummer der Art. Nur darüber lässt sich die tatsächlich zu erwartende Endgrösse zuverlässig nachschlagen.