Degu-Haltung: Alles über den kleinen, liebenswerten Nager

DeguTitel

Degu-Haltung gelingt nur im Rudel: Diese tagaktiven Nager aus den chilenischen Anden brauchen mindestens einen Artgenossen, einen hohen Käfig aus Glas oder/und Metall und eine strikt zuckerfreie Ernährung, sonst drohen Einsamkeit, Verfettung und Diabetes. Wer diese drei Grundregeln kennt, hat die wichtigste Basis für ein glückliches Degu-Leben bereits verstanden.

Bei Zoo Roco begleiten wir angehende Degu-Halterinnen und -Halter seit Jahren in der Beratung, unter anderem weil wir Degus im eigenen Betrieb züchten. Diese Praxiserfahrung zeigt: Die meisten Fragen drehen sich um Käfiggrösse, Fütterung und die Vergesellschaftung neuer Tiere. Genau diese drei Themen beantwortet dieser Ratgeber im Detail.

Vor der Anschaffung entscheiden vorwiegend drei Fragen, ob die Haltung gelingt oder Tierschutzprobleme entstehen.

  • Einzelhaltung ist nicht erlaubt, da gesellige Tiere nach der Tierschutzverordung zu Zweit oder in Gruppen gehalten werden müssen

  • Ein Käfig aus Plastik hält bei Degus nicht lange, weil die Tiere Kunststoff und sogar Blech durch-nagen.

  • Obst und Zucker zählen zu den häufigsten Ursachen für Diabetes und Verfettung bei Degus.

  • Fremde Degus erkennen sich vor allem am Geruch, deshalb benötigt ihre Vergesellschaftung eine behutsame Geruchsangleichung.

Warum dürfen Degus nie allein gehalten werden?

Degus dürfen niemals einzeln gehalten werden, weil sie zu den sozialsten Nagetieren überhaupt zählen und in freier Wildbahn in festen Familienverbänden leben. Mindestens zwei, besser mehrere Tiere gehören zusammen in ein Gehege.

Der Chile-Degu, wissenschaftlich Octodon degus genannt, ist zudem tagaktiv, mit Aktivitätsschwerpunkten am Morgen und am späten Nachmittag. Das unterscheidet ihn von vielen dämmerungs- oder nachtaktiven Nagern wie Hamstern. Als Streicheltier taugt ein Degu trotzdem kaum, denn die Tiere sitzen nicht gerne still. Mit viel Geduld werden einzelne Individuen handzahm, andere bleiben zeitlebens zurückhaltend. Aus unserer eigenen Zucht wissen wir, dass gerade die sozialen Bindungen innerhalb einer Gruppe darüber entscheiden, ob sich Tiere entspannt zeigen oder gestresst wirken.

Wie gross und sicher muss ein Degugehege sein?

Ein Degukäfig benötigt für 2 bis 5 Tiere gesetzlich mindestens 0,5 m² Grundfläche (Innenmass), 0,35 m³ Volumen und 70 cm Höhe. Diese Zahl stammt aus der Schweizer Tierschutzverordnung und ist als reines Rechtsminimum zu verstehen. Für eine wirklich artgerechte Haltung braucht es deutlich mehr Fläche und Höhe.

Wir empfehlen für bis zu fünf Tiere mehr: 120 x 60 x 120 cm.

Richtwert

Grundfläche

Höhe

Gehege

Gesetzliches Minimum (2 bis 5 Tiere)

0,5 m²

70 cm

100x50x70 cm Innenmasse

Kleine Gruppe – 2-3 Tiere

0.5 m2

100 cm

100x55x100 cm

Gruppe bis 5 Tiere

0.7m2

120 cm

120x60x120 cm

Wir empfehlen für die Degus immer einen Glasbehälter / Terrarium zu kaufen. Der Grund liegt im Nagetrieb selbst: Deugs zernagen Plastikwannen, Holzrahmen und selbst dünnes Aluminiumblech in kurzer Zeit. Pflicht in jedem Gehege sind zudem ein Sandbad, Rückzugsmöglichkeiten und Nageobjekte, ergänzt durch mehrere Etagen zum Klettern und eine Buddelecke mit tiefem, ungiftigem Substrat. Das Streu muss mindestens 30cm hoch sein, damit die Tiere auch graben können.

  • Etagen: schaffen zusätzliche Fläche zum Klettern und Beobachten.

  • Sandbad: hält das Fell sauber und ist gesetzlich vorgeschrieben.

  • Buddelmöglichkeit: befriedigt den natürlichen Grabtrieb.

  • Versteck: gibt jedem Tier einen ruhigen Rückzugsort.

Ähnlich wie bei einer Hamster-Erstausstattung lohnt es sich, gleich zu Beginn in solide Qualität zu investieren. Eine Einrichtung mit den Tieren kostet schnell über Fr. 1000.00

Degu-Gehege

Erhältlich in zwei Grössen oder nach Mass

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Kostenrichtwert: Für Käfig, Etagen, Sandbad, Häuschen und Zubehör setzen Sie in der Schweiz mindestens 800-1000 Franken an. Bei grösseren Gruppen liegt der reale Betrag oft höher.

Welches Futter vertragen Degus, und was macht sie krank?

Degus vertragen keinen Zucker. Bereits kleine Mengen Obst oder süsse Leckerlis zählen zu den häufigsten Tierschutzproblemen bei dieser Art und führen zu Verfettung, Zahnproblemen und Diabetes. Eine strikt zuckerfreie Fütterung gehört deshalb zu den nicht verhandelbaren Grundregeln der Degu-Haltung.

Auf dem Futterplan steht als erster Stelle ein hochwertiges Heu mit vielen Kräutern. Dazu eine Futter-Mischung, die speziell für Degus hergestellt wurde. So stellen Sie sicher, dass kein Zucker im Futter enthalten ist.

Bei der Heuqualität gelten ähnliche Massstäbe wie bei anderen Heimtieren: Frisches, grün-goldenes Heu ohne Staub und Schimmel ist Pflicht, wie wir auch im Ratgeber Heu für Kaninchen kaufen beschreiben. Bei Degus kommt hinzu, dass Heu die Verdauung unterstützt. Beim ständigen Nagen der langen Fasern nutzt es zugleich die Zähne ab.

Anzeichen einer beginnenden Diabetes-Erkrankung sind vermehrtes Urinieren und eingetrübte Augenlinsen bis hin zur Blindheit. Bemerken Sie solche Symptome, gehört das betroffene Tier umgehend zur Tierärztin oder zum Tierarzt.

Wie alt werden Degus, und wie tickt ihr Charakter?

Degus werden laut Schweizer Tierschutz im Durchschnitt 4 bis 5 Jahre alt, manchmal auch länger. Einzelne Halterinnen und Halter berichten bei optimaler Haltung von Ausnahmefällen bis zu 8 oder 9 Jahren, das bleiben aber echte Einzelfälle.

Charakterlich zeigen sich Degus neugierig, wach und in der Gruppe ausgesprochen kommunikativ. Beschäftigung entsteht bei ihnen vor allem innerhalb des eigenen Rudels: Sie pflegen sich gegenseitig, spielen, klettern über die Etagen und buddeln gemeinsam im Sandbad. Wer diese Grundbedürfnisse abdeckt, muss kaum zusätzliches Spielzeug organisieren, ein reichhaltig eingerichteter Käfig reicht meist aus.

Wie gelingt die Vergesellschaftung fremder Degus?

Degus erkennen sich vor allem am Geruch, nicht am Aussehen, denn ihr räumliches Sehvermögen ist vergleichsweise schwach. Eine überstürzte Zusammenführung fremder Tiere endet deshalb schnell in Streit oder Bissverletzungen. Wichtig ist eine langsame Angleichung des Gruppengeruchs, bevor sich die Tiere überhaupt zum ersten Mal berühren.

Faustregel aus der Praxis: Ein laufender Vergesellschaftungsprozess wird nicht unterbrochen. Wechseln Sie nicht mittendrin die Methode und greifen Sie nur bei echten Verletzungen ein, sonst beginnt die Geruchsangleichung wieder von vorn.

Aus unserer eigenen Nachzucht wissen wir, dass gerade diese Geruchsphase über Erfolg oder Streit entscheidet, mehr noch als Alter oder Grösse der beteiligten Tiere.

Ein weiterer Punkt für die Praxis: Weibchen können bereits mit 6 bis 12 Wochen geschlechtsreif werden und nach 90 Tagen Tragzeit bis zu 12 Junge zur Welt bringen. Wer Männchen und Weibchen zusammenführt, ohne Nachwuchs zu planen, braucht vorher eine klare Strategie, etwa getrennte Gruppen nach Geschlecht oder eine tierärztliche Kastration.

Mehr Platz und Geduld: Der Unterschied bei guter Degu-Haltung

Zwei Themen ziehen sich durch diesen Ratgeber, und beide laufen auf denselben Punkt hinaus: Das gesetzliche Minimum bei Käfiggrösse und die fehlende gesetzliche Regel bei der Vergesellschaftung markieren jeweils nur den Ausgangspunkt für eine wirklich artgerechte Haltung. Wer wirklich artgerecht halten will, plant mehr Fläche als vorgeschrieben und mehr Zeit für die Gewöhnungsphase, als ungeduldige Halter für nötig halten.

Aus der Beratungspraxis bei Zoo Roco wissen wir, dass genau diese beiden Punkte über eine entspannte oder eine stressige Degu-Haltung entscheiden. Nehmen Sie sich für die Käfigwahl und die erste Vergesellschaftung bewusst Zeit, dann folgt der Rest, von der zuckerfreien Fütterung bis zur täglichen Beobachtung des Rudels, deutlich leichter.

Häufige Fragen zur Degu-Haltung

Kann ich einen einzelnen Degu behalten, wenn sein Partner gestorben ist?

Nein, ein einzelner Degu sollte nicht dauerhaft allein bleiben. Als hoch soziales Gruppentier braucht er innerhalb überschaubarer Zeit neue Artgenossen, idealerweise über eine behutsame Vergesellschaftung mit schrittweiser Geruchsangleichung.

Wie schnell dürfen zwei fremde Degus im selben Käfig leben?

Nicht sofort. Fremde Degus brauchen zuerst eine Phase der Geruchsangleichung, etwa über getauschte Sandbäder und ein Trenngitter. Je nach Tieren dauert dieser Prozess einige Tage bis mehrere Wochen, bevor eine echte Zusammenführung sinnvoll ist.
Eine Geruchsangleichung kann auch über “schmutziges Einstreu” aus dem Gehege der bestehenden Gruppe erfolgen, in das der neue Degu ca. zwei Stunden gesetzt wird. So riecht er bereits gleich und die Gruppe nimmt das Tier eher an.

Wie viel kostet die Erstausstattung für Degus in der Schweiz ungefähr?

Für die komplette Grundausstattung mit Käfig, Etagen, Sandbad und Häuschen rechnen Sie mit mindestens 800-1000 Franken. Je nach Käfiggrösse, Material und Anzahl der Tiere liegt der tatsächliche Betrag häufig deutlich höher.

Woran erkenne ich, dass ein Degu zu viel Zucker bekommen hat?

Typische Warnzeichen sind vermehrtes Urinieren und eingetrübte Augenlinsen bis hin zu Sehstörungen. Diese Symptome deuten auf eine beginnende Diabetes-Erkrankung hin und gehören umgehend tierärztlich abgeklärt, unabhängig vom Alter des Tieres.

Dürfen männliche und weibliche Degus zusammenleben?

Wir empfehlen, die Gruppen nach Geschlecht getrennt zu halten, oder die Männchen in einer gemischten Gruppe kastrieren zu lassen!
Grundsätzlich würden gemischte Gruppen schon gehen, allerdings mit klarer Planung. Weibchen werden bereits mit wenigen Wochen geschlechtsreif und können pro Wurf bis zu 12 Junge bekommen.

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