Auf Grundlage des Vortrags von Dr. Julia Fritz und eigenen weiteren Recherchen habe ich einen verständlichen Blogartikel für Tierhalterinnen und Tierhalter formuliert. Er bezieht sich auf die Kennzeichnungsvorschriften der Europäischen Union, da der Vertrag während des ZZF-Symposiums in Frankfurt am Main gehalten wurde.
Was muss auf einer Packung Hunde- oder Katzenfutter stehen – und was verrät uns die Deklaration wirklich?
Bunte Bilder, wohlklingende Begriffe und Versprechen wie „natürlich“, „mit viel Fleisch“ oder „reich an wertvollen Zutaten“ fallen beim Einkauf sofort ins Auge. Die entscheidenden Informationen stehen dagegen häufig kleiner gedruckt auf der Rückseite der Verpackung.
Doch was bedeuten Begriffe wie Zusammensetzung, analytische Bestandteile und ernährungsphysiologische Zusatzstoffe? Muss jede einzelne Zutat genannt werden? Und lässt sich anhand der Deklaration beurteilen, ob ein Futter hochwertig und für das eigene Tier geeignet ist?
Dieser Beitrag entstand nach einem Vortrag von Dr. Julia Fritz von napfcheck über die Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln.
Deklaration oder Kennzeichnung?
Im Alltag wird häufig von der „Deklaration“ eines Futtermittels gesprochen. Gemeint sind sämtliche Informationen, die der Hersteller auf der Verpackung, einem Etikett oder in den dazugehörigen Unterlagen bereitstellt.
Der rechtlich gebräuchliche Begriff lautet Kennzeichnung.
In der Europäischen Union bildet die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 die zentrale Grundlage für das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln. Sie gilt auch für Hunde- und Katzenfutter. Die Angaben müssen gut lesbar, dauerhaft angebracht und dürfen nicht irreführend sein. (Food Safety)
Die Vorschriften sollen unter anderem gewährleisten, dass Käuferinnen und Käufer erkennen können:
- für welches Tier ein Produkt bestimmt ist,
- um welche Art von Futter es sich handelt,
- woraus es besteht,
- welche Nährstoffwerte analysiert wurden,
- wie es verwendet werden soll
- und wer für das Produkt verantwortlich ist.
Die Kennzeichnung liefert damit wichtige Informationen. Sie ist jedoch keine vollständige Rezeptur und auch kein automatisches Qualitätssiegel.
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?
Eine der wichtigsten Angaben befindet sich häufig direkt bei der Produktbezeichnung.
Alleinfuttermittel
Ein Alleinfuttermittel soll aufgrund seiner Zusammensetzung den täglichen Nährstoffbedarf eines gesunden Tieres vollständig decken – vorausgesetzt, es wird entsprechend der Fütterungsempfehlung eingesetzt.
Auf der Verpackung sollte zusätzlich stehen, für welche Tierart und gegebenenfalls welche Lebensphase es gedacht ist, beispielsweise:
- für ausgewachsene Hunde,
- für heranwachsende Katzen,
- für Welpen,
- für ältere Hunde
- oder für trächtige und säugende Tiere.
Ein Alleinfuttermittel für erwachsene Hunde muss nicht automatisch für Welpen geeignet sein. Ebenso unterscheiden sich die Ernährungsbedürfnisse von Hund und Katze erheblich.
Ergänzungsfuttermittel
Ein Ergänzungsfuttermittel ist allein normalerweise nicht bedarfsdeckend. Es muss zusammen mit anderen Futtermitteln oder als Ergänzung einer vollständigen Ration verwendet werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Snacks und Kauartikel,
- bestimmte Dosen mit reinem Fleisch,
- Mineralstoffmischungen,
- Vitaminpräparate,
- Ergänzungsöle
- oder Produkte zur Ergänzung selbst gekochter Rationen.
Besonders bei Dosen mit viel Fleisch lohnt sich ein genauer Blick. Eine ansprechend gestaltete Fleischdose kann ein Ergänzungsfuttermittel sein und wichtige Mineralstoffe, Vitamine oder essenzielle Fettsäuren nicht in ausreichender Menge liefern.
Wird ein solches Produkt dauerhaft als einziges Futter angeboten, kann trotz vermeintlich hochwertiger Zutaten eine unausgewogene Ernährung entstehen.
Für welches Tier ist das Futter bestimmt?
Auf der Verpackung muss erkennbar sein, für welche Tierart oder Tierkategorie das Produkt vorgesehen ist.
Das ist wichtig, weil Hunde und Katzen unterschiedliche Nährstoffansprüche haben. Katzen benötigen beispielsweise bestimmte Nährstoffe, die sie nicht oder nur unzureichend selbst herstellen können. Dazu gehören unter anderem Taurin und vorgebildetes Vitamin A.
Auch innerhalb einer Tierart verändert sich der Bedarf. Ein wachsender Welpe benötigt eine andere Versorgung als ein ausgewachsener Hund. Bei älteren Tieren oder bei bestimmten Krankheiten können wiederum individuelle Anpassungen notwendig sein.
Bezeichnungen wie „Adult“, „Junior“ oder „Senior“ sind deshalb mehr als reine Marketingbegriffe – dennoch sollte geprüft werden, ob die Zusammensetzung tatsächlich zum jeweiligen Tier passt.
Die Zusammensetzung: Was steckt im Futter?
Unter der Überschrift Zusammensetzung werden die verwendeten Futtermittel-Ausgangserzeugnisse aufgeführt.
Das können zum Beispiel sein:
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse,
- Geflügel,
- Fisch,
- Getreide,
- Kartoffeln,
- Hülsenfrüchte,
- Öle und Fette,
- Gemüse,
- Mineralstoffe
- oder pflanzliche Nebenerzeugnisse.
Grundsätzlich werden die Bestandteile in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Verarbeitung angegeben. Die zuerst genannte Zutat wurde demnach mengenmässig am meisten eingesetzt.
Diese Reihenfolge ist jedoch nicht immer so eindeutig, wie sie erscheint.
Frisches Fleisch enthält viel Wasser. Fleischmehl oder getrocknetes tierisches Protein enthält dagegen wesentlich weniger Feuchtigkeit. Wird frisches Fleisch an erster Stelle aufgeführt, kann sein Anteil nach dem Trocknen deutlich kleiner wirken. Mehrere einzeln genannte pflanzliche Zutaten können zusammengenommen ebenfalls einen grösseren Anteil ausmachen als die zuerst aufgeführte Fleischzutat.
Die Zutatenliste sollte daher nie isoliert betrachtet werden.
Offene und geschlossene Deklaration
Hersteller können Zutaten unterschiedlich genau bezeichnen.
Offene Deklaration
Bei einer offenen beziehungsweise detaillierten Deklaration werden einzelne Zutaten möglichst konkret genannt, beispielsweise:
Huhn 35 Prozent, davon Muskelfleisch, Herz und Leber, Reis, Karotten, Sonnenblumenöl und Mineralstoffe.
Eine solche Angabe vermittelt einen vergleichsweise genauen Eindruck von der Rezeptur.
Allerdings ist „offene Deklaration“ kein geschütztes Qualitätsprädikat. Auch eine lange und detaillierte Zutatenliste sagt noch nicht, ob alle Nährstoffe bedarfsgerecht enthalten sind.
Deklaration nach Kategorien
Zutaten dürfen teilweise auch in gesetzlich vorgesehenen Gruppen zusammengefasst werden, beispielsweise:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette, Mineralstoffe.
Eine solche Kategoriedeklaration ist weniger transparent, aber nicht automatisch ein Hinweis auf minderwertiges Futter.
Sie ermöglicht dem Hersteller unter Umständen, Rohstoffe innerhalb einer Kategorie auszutauschen, ohne jedes Mal das Etikett ändern zu müssen. Für Tiere mit Allergien oder Unverträglichkeiten kann diese geringe Genauigkeit jedoch problematisch sein.
Was bedeutet „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“?
Der Begriff tierische Nebenerzeugnisse wirkt auf viele Menschen zunächst abschreckend. Er bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es sich um wertlose oder ungeeignete Bestandteile handelt.
Zu den tierischen Bestandteilen eines Futters können neben Muskelfleisch beispielsweise gehören:
- Herz,
- Leber,
- Lunge,
- Niere,
- Pansen,
- Blut
- oder andere geeignete Gewebe.
Innere Organe liefern teilweise wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Leber ist unter anderem reich an Vitamin A und Kupfer.
Entscheidend sind die konkrete Auswahl, die Qualität, die verarbeitete Menge und die Zusammensetzung des gesamten Futters. Eine pauschale Bewertung allein anhand des Wortes „Nebenerzeugnisse“ ist daher kaum möglich.
Problematisch ist vielmehr, dass bei einer sehr allgemeinen Bezeichnung nicht erkennbar ist, welche Tierarten und Gewebe tatsächlich enthalten sind.
Was bedeutet „mit Huhn“?
Ein Huhn auf der Vorderseite der Verpackung bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Futter überwiegend aus Huhn besteht.
Nach den in der Heimtierfutterbranche verwendeten Kennzeichnungsgrundsätzen hängen Formulierungen von der enthaltenen Menge einer hervorgehobenen Zutat ab. Begriffe wie „mit Huhn“, „reich an Huhn“ oder „Huhn-Menü“ dürfen deshalb nicht beliebig als gleichbedeutend verstanden werden.
Der europäische Heimtierfutterverband FEDIAF veröffentlicht hierzu einen branchenweiten Leitfaden für eine gute Kennzeichnungspraxis. Dieser soll die Anwendung der gesetzlichen Regeln vereinheitlichen, ersetzt jedoch nicht den Gesetzestext. (fediaf.org)
Beim Einkauf sollte daher nicht nur das Bild auf der Vorderseite betrachtet werden. Entscheidend ist die Mengenangabe in Verbindung mit der Zusammensetzung.
Steht dort zum Beispiel:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, davon vier Prozent Huhn,
beziehen sich die vier Prozent meist auf den hervorgehobenen Huhn-Anteil und nicht zwingend auf den gesamten tierischen Bestandteil des Futters.
Das Produkt kann weitere tierische Bestandteile enthalten, deren Tierart nicht genauer genannt wird.
Müssen Prozentzahlen angegeben werden?
Nicht jede Zutat muss grundsätzlich mit einem Prozentwert versehen werden.
Wird eine Zutat jedoch durch Worte, Bilder oder Grafiken besonders hervorgehoben oder ist sie für die Charakterisierung des Produkts wesentlich, kann eine Mengenangabe erforderlich sein.
Ein abgebildeter Lachs, ein grosser Schriftzug wie „mit Rind“ oder eine betonte Zutat wie „mit Heidelbeeren“ sollte deshalb in der Zusammensetzung mengenmässig nachvollziehbar sein.
Hier zeigt sich, wie wichtig der Vergleich zwischen Vorder- und Rückseite ist: Je stärker eine Zutat beworben wird, desto genauer sollte geprüft werden, wie viel davon tatsächlich enthalten ist.
Analytische Bestandteile: keine Zutatenliste
Die analytischen Bestandteile werden häufig mit der Zusammensetzung verwechselt. Sie zeigen jedoch nicht, welche Rohstoffe verwendet wurden, sondern geben bestimmte analytisch ermittelte Nährstoffgruppen an.
Bei einem Hunde- oder Katzenfutter finden sich typischerweise Angaben wie:
- Rohprotein,
- Rohfett,
- Rohfaser,
- Rohasche
- und Feuchtigkeit.
Je nach Produkt können weitere Werte hinzukommen.
Rohprotein
Der Rohproteingehalt gibt einen rechnerisch beziehungsweise analytisch ermittelten Wert für stickstoffhaltige Verbindungen an.
Er verrät nicht:
- aus welcher Proteinquelle das Eiweiss stammt,
- wie hochwertig das Aminosäuremuster ist,
- wie gut das Protein verdaut wird
- oder wie viel davon dem Tier tatsächlich zur Verfügung steht.
Ein hoher Rohproteingehalt ist deshalb nicht automatisch gut und ein niedriger Wert nicht automatisch schlecht.
Rohfett
Der Rohfettwert beschreibt die mit einem festgelegten Analyseverfahren erfassten Fette und fettähnlichen Stoffe.
Er gibt einen Hinweis auf die Energiedichte des Futters, sagt jedoch wenig über die Qualität und Zusammensetzung der Fettsäuren aus.
Rohfaser
Unter Rohfaser wird nur ein Teil der schwer verdaulichen pflanzlichen Bestandteile erfasst. Der Wert entspricht nicht dem gesamten Ballaststoffgehalt.
Ein niedriger Rohfaserwert bedeutet daher nicht, dass das Futter praktisch keine Faserstoffe enthält.
Rohasche
Für die Bestimmung der Rohasche wird eine Futterprobe unter festgelegten Bedingungen stark erhitzt. Organische Bestandteile verbrennen; zurück bleiben vor allem mineralische Bestandteile.
Rohasche bedeutet also nicht, dass dem Futter gewöhnliche Verbrennungsasche zugesetzt wurde.
Ein hoher Rohaschewert kann auf einen höheren Mineralstoffanteil oder einen grösseren Anteil knochenreicher Rohstoffe hinweisen. Allein anhand dieses Wertes lässt sich die Qualität jedoch nicht sicher beurteilen.
Feuchtigkeit
Bei Nassfutter ist der Wasseranteil sehr hoch, während Trockenfutter wesentlich weniger Feuchtigkeit enthält.
Ein direkter Vergleich der auf der Packung angegebenen Prozentwerte kann daher täuschen. Zehn Prozent Protein in einem Nassfutter sind nicht ohne Weiteres mit 25 Prozent Protein in einem Trockenfutter vergleichbar.
Für einen sinnvollen Vergleich müssen die Werte auf die Trockensubstanz umgerechnet werden.
Beispiel für die Umrechnung auf Trockensubstanz
Ein Nassfutter enthält laut Verpackung:
- 10 Prozent Rohprotein,
- 80 Prozent Feuchtigkeit.
Die Trockensubstanz beträgt damit 20 Prozent.
Die Berechnung lautet:
10 ÷ 20 × 100 = 50 Prozent Rohprotein in der Trockensubstanz
Ein Trockenfutter mit 25 Prozent Rohprotein und zehn Prozent Feuchtigkeit enthält dagegen:
25 ÷ 90 × 100 = rund 27,8 Prozent Rohprotein in der Trockensubstanz
Obwohl auf der Nassfutterdose nur zehn Prozent Rohprotein angegeben sind, ist ihr Proteingehalt bezogen auf die Trockensubstanz in diesem Beispiel deutlich höher.
Das bedeutet allerdings noch immer nicht, dass dieses Futter automatisch besser geeignet ist. Für eine Bewertung wären zusätzlich die Proteinqualität, die Verdaulichkeit, der Energiegehalt und der Bedarf des Tieres zu berücksichtigen.
Warum ergeben die Zahlen nicht 100 Prozent?
Viele Tierhalterinnen und Tierhalter addieren die analytischen Bestandteile und wundern sich, dass keine 100 Prozent erreicht werden.
Das liegt daran, dass nicht alle Bestandteile separat angegeben werden. Unter anderem fehlt auf vielen Verpackungen die Gruppe der stickstofffreien Extraktstoffe. Darunter werden rechnerisch vor allem leicht verfügbare Kohlenhydrate zusammengefasst.
Eine grobe Berechnung kann so aussehen:
100 – Feuchtigkeit – Rohprotein – Rohfett – Rohfaser – Rohasche = rechnerischer Kohlenhydratanteil
Diese Rechnung liefert nur einen Näherungswert. Analytische Schwankungen und nicht separat ausgewiesene Bestandteile können das Ergebnis beeinflussen.
Zusatzstoffe: nicht automatisch bedenklich
Unter der Rubrik Zusatzstoffe können verschiedene Stoffgruppen aufgeführt sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Vitamine,
- Spurenelemente,
- Aminosäuren,
- Antioxidationsmittel,
- Konservierungsmittel,
- Farbstoffe,
- Aromastoffe
- oder technologische Hilfsstoffe.
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe
Diese werden zugesetzt, um die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen sicherzustellen. Dazu können etwa Vitamin D, Zink, Kupfer, Jod, Taurin oder bestimmte Aminosäuren gehören.
Bei einem Alleinfuttermittel ist die Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen kein Zeichen für eine schlechte Rezeptur. Sie kann notwendig sein, um natürliche Schwankungen der Rohstoffe auszugleichen und eine bedarfsdeckende Versorgung zu gewährleisten.
Nicht jeder im Futter enthaltene Nährstoff muss allerdings als zugesetzter Zusatzstoff erscheinen. Nährstoffe, die bereits von Natur aus in den Zutaten vorkommen, werden nicht automatisch in dieser Rubrik aufgelistet.
Die Zusatzstoffliste zeigt somit nicht den vollständigen Nährstoffgehalt des Futters.
„Ohne künstliche Zusatzstoffe“ – was bedeutet das?
Aussagen wie „ohne künstliche Zusatzstoffe“, „ohne Zuckerzusatz“ oder „ohne Konservierungsmittel“ klingen positiv. Sie sollten jedoch genau gelesen werden.
„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet beispielsweise nicht zwingend, dass ein Produkt überhaupt keinen Zucker enthält. Zutaten können von Natur aus Zucker mitbringen.
Auch ein Futter ohne zugesetzte Konservierungsstoffe ist nicht automatisch frischer oder hochwertiger. Dosenfutter wird durch Erhitzung haltbar gemacht und benötigt deshalb häufig keine klassischen Konservierungsmittel.
Werbeaussagen dürfen nicht irreführend sein. Freiwillige Angaben sind zwar zulässig, müssen aber objektiv, überprüfbar und mit den gesetzlichen Vorgaben vereinbar sein. (EUR-Lex)
Was ist eine Fütterungsempfehlung?
Auf der Verpackung muss angegeben sein, wie das Produkt sachgerecht verwendet werden soll.
Bei Alleinfuttermitteln findet sich deshalb normalerweise eine Tabelle oder Empfehlung, die sich am Körpergewicht des Tieres orientiert.
Eine solche Angabe ist immer nur ein Ausgangspunkt. Der tatsächliche Energiebedarf hängt unter anderem ab von:
- Alter,
- Aktivität,
- Haltungsform,
- Kastrationsstatus,
- Umgebungstemperatur,
- Gesundheitszustand,
- Körperzusammensetzung
- und individueller Stoffwechsellage.
Die passende Futtermenge sollte deshalb anhand des Körpergewichts und der Körperform regelmässig kontrolliert werden. Nimmt das Tier zu oder ab, muss die Menge entsprechend angepasst werden.
Leckerlis, Kauartikel und andere Ergänzungen liefern zusätzliche Energie und sollten in die Tagesration eingerechnet werden.
Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer
Auf der Packung müssen Angaben vorhanden sein, die eine zeitliche Einordnung und Rückverfolgbarkeit ermöglichen.
Mindesthaltbarkeitsdatum
Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann das ungeöffnete und richtig gelagerte Futter seine vorgesehenen Eigenschaften behalten soll.
Es ist nicht mit einem Verbrauchsdatum gleichzusetzen. Nach Ablauf ist ein Futter nicht automatisch verdorben. Qualität, Geruch, Konsistenz und Nährstoffgehalte können sich jedoch verändern.
Bei beschädigten, aufgeblähten oder undichten Verpackungen sollte das Produkt unabhängig vom Datum nicht verfüttert werden.
Chargen- oder Losnummer
Die Chargennummer ermöglicht es, ein Produkt einer bestimmten Herstellungseinheit zuzuordnen.
Sie ist besonders wichtig bei:
- Qualitätsproblemen,
- Reklamationen,
- Laboruntersuchungen
- oder Produktrückrufen.
Wer ein Problem mit einem Futtermittel meldet, sollte deshalb Verpackung, Chargennummer und Mindesthaltbarkeitsdatum aufbewahren.
Futtermittel müssen entlang der Produktions- und Vertriebskette rückverfolgbar sein. (EUR-Lex)
Wer trägt die Verantwortung?
Auf dem Produkt müssen Name beziehungsweise Firma und Anschrift des für die Kennzeichnung verantwortlichen Futtermittelunternehmers angegeben sein.
Zusätzlich muss bei Heimtierfutter eine kostenlose Telefonnummer oder eine andere geeignete Kontaktmöglichkeit vorhanden sein. Darüber können Verbraucherinnen und Verbraucher weitere Informationen zu enthaltenen Futtermittel-Ausgangserzeugnissen und Zusatzstoffen erfragen. (EUR-Lex)
Eine solche Nachfrage kann besonders sinnvoll sein, wenn:
- die Tierarten der verarbeiteten Bestandteile unklar sind,
- ein Tier unter einer Futtermittelallergie leidet,
- genaue Mineralstoffwerte benötigt werden,
- die Herkunft bestimmter Rohstoffe interessiert
- oder medizinisch relevante Informationen fehlen.
Ein seriöser Hersteller sollte fachliche Fragen nachvollziehbar beantworten können. Allerdings sind Unternehmen nicht verpflichtet, jedes Detail ihrer Rezeptur oder ihre vollständigen Mischungsverhältnisse offenzulegen.
Steht der Energiegehalt auf der Verpackung?
Der Energiegehalt ist für die Wahl der richtigen Futtermenge besonders wichtig. Dennoch wird er nicht auf jeder Verpackung gut sichtbar angegeben.
Bezeichnungen wie:
- umsetzbare Energie,
- metabolizable energy,
- ME
- oder kcal pro 100 Gramm
beziehen sich auf die Energiemenge, die dem Tier voraussichtlich zur Verfügung steht.
Ohne Kenntnis der Energiedichte lassen sich zwei Fütterungsempfehlungen nur schwer vergleichen. Eine kleinere Menge kann mehr Kalorien enthalten als eine deutlich grössere Portion eines anderen Futters.
Fehlt die Angabe, kann sie beim Hersteller erfragt werden.
Was sagt die Deklaration nicht?
Auch eine rechtlich vollständige Verpackung beantwortet nicht jede ernährungsphysiologisch wichtige Frage.
Oft nicht direkt erkennbar sind:
- die Verdaulichkeit der Nährstoffe,
- die biologische Qualität der Proteine,
- das vollständige Aminosäuremuster,
- die genaue Fettsäurezusammensetzung,
- die tatsächlichen Gehalte aller Mineralstoffe,
- die Herkunft sämtlicher Rohstoffe,
- die Schwankungen zwischen einzelnen Chargen,
- die Akzeptanz beim Tier
- und die individuelle Verträglichkeit.
Eine sehr ausführliche Zutatenliste kann Vertrauen schaffen, ersetzt aber keine fundierte Nährstoffbewertung.
Umgekehrt ist eine kürzere Kategoriedeklaration nicht automatisch ein Beweis für schlechte Qualität. Entscheidend ist letztlich, ob das Futter sicher, verträglich und für das jeweilige Tier bedarfsdeckend ist.
Diätfuttermittel sind keine gewöhnlichen „Light“-Produkte
Futtermittel für einen besonderen Ernährungszweck werden häufig als Diätfuttermittel bezeichnet. Sie sind für Tiere mit bestimmten Ernährungsbedürfnissen vorgesehen, beispielsweise zur Unterstützung bei ausgewählten Erkrankungen.
In der Europäischen Union dürfen solche Produkte nur für festgelegte besondere Ernährungszwecke angeboten werden. Die zugelassenen Verwendungszwecke und die dazugehörigen Anforderungen sind rechtlich geregelt. (Food Safety)
Der Begriff „Diät“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht einfach kalorienarm oder zum Abnehmen geeignet.
Ein Diätfuttermittel sollte insbesondere bei einer Erkrankung nicht allein aufgrund von Werbeaussagen ausgewählt werden. Die Fütterung sollte mit der behandelnden Tierärztin, dem behandelnden Tierarzt oder einer qualifizierten Ernährungsberatung abgestimmt werden.
Medizinische Versprechen sind mit Vorsicht zu betrachten
Ein normales Futtermittel darf nicht wie ein Arzneimittel präsentiert werden. Aussagen, die eine Heilung oder Behandlung von Krankheiten versprechen, unterliegen strengen Grenzen.
Formulierungen wie „unterstützt die normale Verdauung“ oder „trägt zur Erhaltung gesunder Haut bei“ sind anders zu bewerten als die Aussage, ein Futter heile eine bestimmte Erkrankung.
Besonders im Internet verschwimmen die Grenzen zwischen zulässiger Produktinformation, Werbung und medizinischen Versprechen. Auch Angaben ausserhalb der Verpackung – etwa auf Websites, in Broschüren oder sozialen Medien – können zur Präsentation und Kennzeichnung eines Produkts gehören.
Kann man an der Zutatenliste ein gutes Futter erkennen?
Nur eingeschränkt.
Eine Zutatenliste kann wichtige Hinweise liefern. Sie kann zeigen, welche Rohstoffe eingesetzt wurden, welche Zutaten besonders hervorgehoben werden und wie transparent ein Hersteller kommuniziert.
Für eine vollständige Qualitätsbewertung fehlen jedoch oft entscheidende Angaben.
Ein gutes Futter sollte:
- für die richtige Tierart und Lebensphase bestimmt sein,
- als Alleinfuttermittel bedarfsdeckend zusammengesetzt sein,
- zum Gesundheitszustand des Tieres passen,
- gut vertragen werden,
- eine angemessene Energiedichte besitzen,
- verlässlich hergestellt werden
- und nachvollziehbar gekennzeichnet sein.
Begriffe wie „Premium“, „Super Premium“, „holistisch“, „naturnah“ oder „artgerecht“ sind dagegen nicht automatisch gleichbedeutend mit einer nachgewiesenen ernährungsphysiologischen Überlegenheit.
Ein praktischer Verpackungscheck
Beim nächsten Einkauf lohnt sich ein systematischer Blick auf folgende Punkte:
1. Art des Futters
Steht auf der Verpackung Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?
2. Zielgruppe
Ist es für Hund oder Katze sowie für die passende Lebensphase vorgesehen?
3. Zusammensetzung
Welche Zutaten oder Zutatenkategorien werden genannt? Sind beworbene Bestandteile mit Mengenangaben versehen?
4. Analytische Bestandteile
Wie hoch sind Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit?
5. Zusatzstoffe
Welche Vitamine, Spurenelemente oder anderen Zusatzstoffe werden angegeben?
6. Fütterungsempfehlung
Gibt es eine verständliche Tagesration und Hinweise zur sachgerechten Verwendung?
7. Haltbarkeit und Rückverfolgbarkeit
Sind Mindesthaltbarkeitsdatum und Chargennummer gut erkennbar?
8. Verantwortliches Unternehmen
Sind Firmenname, Anschrift und eine Kontaktmöglichkeit vorhanden?
9. Werbeaussagen
Passen Bilder und hervorgehobene Begriffe zu den tatsächlichen Mengen in der Zusammensetzung?
10. Individuelle Eignung
Passt das Futter wirklich zu Alter, Aktivität, Gewicht und Gesundheitszustand des eigenen Tieres?
Fazit: Lesen lohnt sich – interpretieren aber auch
Die Kennzeichnung eines Heimtierfuttermittels enthält viele nützliche Informationen. Sie zeigt, um welche Futterart es sich handelt, welche Rohstoffe verwendet wurden, welche analytischen Werte vorliegen und wie das Produkt gefüttert werden soll.
Doch eine Deklaration ist keine vollständige Offenlegung der Rezeptur. Einzelne Angaben lassen sich leicht missverstehen:
- Viel frisches Fleisch bedeutet nicht automatisch viel Protein in der Trockensubstanz.
- Ein hoher Rohproteingehalt sagt nichts über die Proteinqualität.
- Rohasche ist keine zugesetzte Ofenasche.
- Zusatzstoffe sind nicht grundsätzlich negativ.
- Eine lange Zutatenliste garantiert keine Bedarfsdeckung.
- Ein schönes Bild auf der Vorderseite verrät wenig über den tatsächlichen Anteil der dargestellten Zutat.
Die Verpackung ist somit ein wichtiger Ausgangspunkt – aber kein Ersatz für Fachwissen.
Bei gesunden Tieren genügt häufig ein sorgfältig ausgewähltes, gut verträgliches Alleinfuttermittel. Bei Erkrankungen, Allergien, selbst zusammengestellten Rationen oder besonderen Ernährungsbedürfnissen empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch eine fachlich qualifizierte Tierärztin oder einen fachlich qualifizierten Tierarzt.
Eine mögliche kürzere Überschrift für Suchmaschinen und soziale Medien wäre: „Hundefutter richtig lesen: Das bedeuten die Angaben auf der Verpackung“.