Igel im Garten füttern: Richtig helfen, wenn bei Trockenheit das Futter knapp wird

Igel im Garten füttern: Richtig helfen, wenn bei Trockenheit das Futter knapp wird

Igel füttern lohnt sich vor allem dann, wenn eine lange Trockenperiode die natürlichen Beutetiere im Garten verschwinden lässt. In solchen Notzeiten helfen kleine Portionen Katzennassfutter oder spezielles Igelfutter zusammen mit einer flachen Schale frischem Wasser, mehr braucht ein gesunder Igel normalerweise nicht. Wenn Sie das im Kopf haben, helfen Sie gezielt, statt einfach jeden Abend eine Schale rauszustellen.

2026 ist die Lage besonders angespannt: Der Igel gilt in der Schweiz seit 2022 als potenziell gefährdet und wurde deshalb von Pro Natura zum Tier des Jahres gewählt, während die anhaltende Sommerhitze Igelstationen ungewöhnlich viele geschwächte Muttertiere und verwaiste Jungtiere bringt. Für Ihren Garten heisst das vor allem: Wasser sollte immer bereitstehen. Futter braucht es nur, wenn wirklich Not herrscht.

Ob Ihr Igel wirklich Hilfe braucht oder gerade gut zurechtkommt, sieht man ihm nicht sofort an. Achten Sie auf diese vier Dinge:

  • Bei wochenlanger Trockenheit ziehen sich Regenwürmer tief in den Boden zurück und stehen Igeln nicht mehr als Nahrung zur Verfügung.

  • Ein hilfsbedürftiger Igel zeigt sich tagsüber aktiv und hat eine deutliche Einbuchtung hinter dem Kopf.

  • Geeignet sind nur Katzennassfutter mit mindestens 70 Prozent Fleischanteil und spezielles Igelfutter, niemals Milch oder Brot.

  • Eine sichere Futterstelle steht geschützt, bleibt täglich sauber und wird erst in der Dämmerung befüllt.

Warum finden Igel bei Trockenheit nicht genug Futter im Garten?

Igel finden bei anhaltender Trockenheit deshalb zu wenig Futter, weil sich Regenwürmer bei Wassermangel in tiefere, feuchte Erdschichten zurückziehen und dem Igel dann nicht mehr zur Verfügung stehen, wie das Merkblatt des Igelzentrums Zürich zu Trockenphasen beschreibt. Warme Temperaturen begünstigen zwar die Entwicklung vieler Käferarten, die je nach Saison ohnehin mehr als die Hälfte des natürlichen Speiseplans ausmachen. Trotzdem reicht das in echten Hitzephasen oft nicht, weil ein grosser Teil der gewohnten Beute schlicht fehlt.

Laut BirdLife Schweiz gelten mittlerweile rund 60 Prozent der Insektenarten als bedroht, und das verknappt die ohnehin schmale Nahrungsgrundlage von Igeln zusätzlich. Der Verein Pro Igel Schweiz rief deshalb im Juli 2026 angesichts der aussergewöhnlichen Hitze und Trockenheit dazu auf, Igeln ausnahmsweise auch Futter anzubieten, weil Igelstationen eine ungewöhnlich hohe Zahl an geschwächten Müttern und verwaisten Jungtieren aufnehmen mussten.

Woran erkennen Sie einen geschwächten, hilfsbedürftigen Igel?

Ein hilfsbedürftiger Igel zeigt sich durch Tagaktivität, eine längliche, abgemagerte Gestalt mit eingefallenen Flanken und einen unsicheren, torkelnden Gang, wie es die Checkliste des Igelzentrums Zürich zur Beurteilung von Igeln festhält. Auch ein Tier, das sich bei Annäherung nicht mehr richtig einrollt, gehört beobachtet.

Was ist die «Hungerkuhle»? Gemeint ist eine sichtbare Einbuchtung hinter dem Kopf, dort wo bei einem gut genährten Igel eine runde Speckschicht sitzt. Fühlt sich diese Stelle eingesunken an, hungert das Tier bereits deutlich.

Nicht jeder Igel, der Ihnen tagsüber begegnet, ist automatisch ein Notfall. Ein einzelner kurzer Auftritt in der Dämmerung kann harmlos sein. Erst die Kombination mehrerer Anzeichen, also Abmagerung, Hungerkuhle und unsicherer Gang gemeinsam, rechtfertigt gezieltes Handeln.

Was füttern Sie einem Igel richtig?

Richtig füttern Sie einen Igel mit hochwertigem Katzennassfutter ohne Gelee oder Sauce und einem Fleischanteil von mindestens 70 Prozent, ergänzt durch spezielle Igelfutter. Eine Mischung aus Mehlwürmern und Soldatenfliegenlarven eignet sich als kleine Beigabe, niemals als Alleinfutter, da sie zu fett- und kalorienreich ist, um dauerhaft zu ernähren.

Bei uns finden Sie passendes Nassfutter mit ausreichend hohem Fleischanteil, spezielles Igelfutter sowie flache Futter- und Wasserschalen für die Aussenfütterung. Stellen Sie abends eine kleine Portion bereit und beobachten Sie, ob sie überhaupt angenommen wird, bevor Sie die Menge erhöhen.

Vorsicht bei stark abgemagerten Tieren: Wer einen sichtlich ausgehungerten Igel füttert, sollte mit nur 20 bis 30 Gramm beginnen und die Menge langsam steigern. Zu viel Futter nach einer längeren Hungerphase kann ein lebensgefährliches Refeeding-Syndrom mit Stoffwechselentgleisung auslösen.

Einiges verträgt ein Igel überhaupt nicht, weil sein einfacher Magen-Darm-Trakt damit nicht zurechtkommt.

  • Milch: löst durch die Laktoseintoleranz der Tiere häufig schweren, mitunter tödlichen Durchfall aus.

  • Getreide, Sauce oder Gelee im Katzenfutter: belasten die Verdauung unnötig.

  • Brot: quillt im Magen auf, ohne echte Nährstoffe zu liefern.

  • Obst, Nüsse und Haferflocken: sind pflanzliche Kost, die im Speiseplan eines Igels nichts verloren hat.

  • Gewürzte oder gesalzene Speisen: belasten Nieren und Kreislauf zusätzlich.

Wie richten Sie eine sichere Futterstelle im Garten ein?

Eine sichere Futterstelle besteht aus einem stabilen Igel-Futterhaus mit zwei verwinkelten Eingängen von etwa 12 mal 12 Zentimetern, das Katzen und Füchse vom Futter fernhält. Alternativ genügt laut Igelzentrum Zürich auch eine niedrige, umgedrehte Kiste mit einem rund 10 mal 10 Zentimeter grossen Eingangsloch, wenn kein fertiges Futterhaus zur Hand ist.

Füttern Sie erst nach Einbruch der Dämmerung und entfernen Sie Reste am nächsten Morgen, damit keine Ratten angelockt werden. Tägliches Reinigen von Napf und Futterhaus ist Pflicht, weil sich Krankheitserreger in Futterresten schnell vermehren. Eine flache Schale mit frischem Wasser gehört an einen schattigen, geschützten Platz und sollte spätestens alle drei Tage gewechselt werden, damit sich keine Mückenlarven bilden.

Wann ist Zufüttern wirklich sinnvoll, und wann eher nicht?

Zufüttern ist sinnvoll in drei klar begründeten Ausnahmesituationen: bei einem zu früh aus dem Winterschlaf erwachten Igel auf gefrorenem Boden, bei einem Jungigel, der im Spätherbst das für den Winterschlaf nötige Gewicht von 500 bis 600 Gramm nicht erreicht, und bei einem auffälligen Igel, dessen Appetit und Zustand Sie gezielt beobachten. Einfach zu füttern, nur weil es gerade warm ist, lehnt das Igelzentrum Zürich ausdrücklich ab. Ein normaler heisser Sommer macht einem gesunden Igel nämlich nichts aus.

Erst wochen- oder monatelange Trockenheit wird für Jungtiere, säugende Mütter und bereits magere Igel kritisch, und genau darauf bezog sich der Aufruf von Pro Igel Schweiz im Juli 2026. Normalerweise findet ein Igel sein Futter selbst. Zufüttern kommt nur in echten Notzeiten dazu, etwa bei lang anhaltender Trockenheit oder kurz vor dem Winterschlaf.

Beachten Sie zudem, dass das Füttern von Wildtieren in der Schweiz grundsätzlich kantonal geregelt ist und teilweise einer Bewilligung bedarf, etwa im Kanton Schwyz oder im Kanton Luzern. Punktuelle Nothilfe für einen erkennbar geschwächten Igel wird in der Praxis meist anders beurteilt als dauerhaftes Anfüttern, im Zweifel hilft ein kurzer Anruf bei der zuständigen kantonalen Stelle oder einer Igelstation.

Wichtig bei kranken oder verletzten Igeln: Offene Wunden, starker Parasitenbefall oder ein Igel, der sich gar nicht mehr bewegt, gehören nicht in Ihre Küche, sondern in die Hände einer Igelstation oder einer Tierarztpraxis.

Was Ihr Garten für Igel leisten kann

Wenn ein Igel bei Ihnen Wasser und im Notfall auch Futter findet, tun Sie einem Tier etwas Gutes, das es in der Schweiz gerade ohnehin nicht leicht hat. Wichtig ist nur, vorher genau hinzuschauen, bevor Sie jeden Abend aus Gewohnheit eine Schale rausstellen.

Prüfen Sie zuerst, ob wirklich eine Notlage vorliegt. Stellen Sie in jedem Fall frisches Wasser bereit. Ein geschütztes Futterhaus, gutes Nassfutter und ein wacher Blick auf Abmagerung und Hungerkuhle genügen im Sommer für fast alle Fälle.

Häufige Fragen zum Igel füttern

Wie viel Futter darf ich einem stark abgemagerten Igel geben?

Nicht mehr als 20 bis 30 Gramm zu Beginn. Wer einem ausgehungerten Igel zu viel auf einmal anbietet, riskiert ein gefährliches Refeeding-Syndrom mit Stoffwechselentgleisung. Steigern Sie die Menge erst über mehrere Tage, wenn das Tier das Futter gut annimmt.

Ist ein Igel, der tagsüber herumläuft, automatisch krank?

Nein, ein einzelner kurzer Auftritt am Tag macht einen Igel nicht automatisch zum Notfall. Erst wenn Tagaktivität mit Abmagerung, einer sichtbaren Hungerkuhle oder unsicherem Gang zusammenfällt, deutet das auf ein hilfsbedürftiges Tier hin. Zeigt sich diese Kombination, greifen Sie am besten gleich zum Telefon und rufen die nächste Igelstation an.

Darf ich in der Schweiz überall Igel füttern?

In der Schweiz ist das Füttern von Wildtieren kantonal geregelt, in Kantonen wie Schwyz oder Luzern brauchen Sie dafür sogar eine Bewilligung. Punktuelle Nothilfe für einen erkennbar geschwächten Igel wird davon in der Praxis meist unterschieden. Im Zweifel lohnt sich eine kurze Nachfrage bei der zuständigen kantonalen Fachstelle.

Warum sind Igelfuttermischungen aus dem Supermarkt oft ungeeignet?

Weil rund 98 Prozent dieser Mischungen laut Pro Igel Schweiz Nüsse, Getreide, Früchte oder Gemüse enthalten, die ein Igel kaum verdauen kann. Achten Sie stattdessen auf hochwertiges Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil oder speziell entwickeltes Igelfutter. Ein Blick auf die Zutatenliste verrät mehr als der Aufdruck auf der Packung.

Was tun, wenn Sie einen verwaisten oder verletzten Jungigel finden?

Kontaktieren Sie in diesem Fall direkt eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis, statt selbst zu behandeln. Verwaiste Jungtiere und verletzte Igel brauchen fachkundige Pflege, die über eine Futterschale im Garten weit hinausgeht. Eine kurze Beschreibung von Fundort und Zustand hilft der Fachstelle, richtig einzuschätzen, wie dringend Hilfe nötig ist.

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