Barben im Aquarium: Lebhafte Schwarmfische richtig halten

Barben gehören zu den lebhaftesten Schwarmfischen im Süsswasseraquarium und stellen dabei höhere Ansprüche an Schwarmgrösse und Schwimmraum, als viele Einsteiger zunächst annehmen. Damit sich ihre ausgeprägte Rangordnung nicht in dauerhaftem Flossenzupfen entlädt, braucht jede Barbenart eine Gruppe von mindestens 8 bis 10 Tieren. Wer das von Beginn an einplant, hat mit der Vergesellschaftung meist wenig … Barben im Aquarium: Lebhafte Schwarmfische richtig halten Weiterlesen

Barben gehören zu den lebhaftesten Schwarmfischen im Süsswasseraquarium und stellen dabei höhere Ansprüche an Schwarmgrösse und Schwimmraum, als viele Einsteiger zunächst annehmen. Damit sich ihre ausgeprägte Rangordnung nicht in dauerhaftem Flossenzupfen entlädt, braucht jede Barbenart eine Gruppe von mindestens 8 bis 10 Tieren. Wer das von Beginn an einplant, hat mit der Vergesellschaftung meist wenig Ärger.

In Schweizer Haushalten schwimmen schätzungsweise rund drei Millionen Aquarienfische, und Barben zählen seit Jahrzehnten zu den gefragtesten Gruppen darunter. Als Berater bei Zoo Roco sehen wir immer wieder, dass die quirlige Art dieser Fische unterschätzt wird: Wer zu wenige Tiere oder ein zu kleines Becken wählt, riskiert schnell gestresste und aggressive Fische.

  • Der Schwarm braucht mindestens 8 bis 10 Tiere derselben Art, sonst richtet sich die Aggression innerhalb der Gruppe gegen die schwächeren Tiere.

  • Als sehr bewegungsfreudige Fische benötigen Barben viel freien Schwimmraum in der Beckenmitte.

  • Die passende Beckengrösse reicht je nach Art von rund 54 bis über 200 Litern.

  • Langflossige oder sehr ruhige Mitbewohner wie Skalare oder Guppys vertragen sich meist schlecht mit Barben.

Warum brauchen Barben einen Mindestschwarm von 8 bis 10 Tieren?

Barben brauchen eine Gruppe von mindestens 8 bis 10 Tieren, weil sie ihre Rangordnung und ihr Balzverhalten sonst an den Flossen ruhigerer Beckenpartner oder an schwächeren Artgenossen auslassen. Besonders die Sumatrabarbe steht für dieses sogenannte Flossenzupfen: Je kleiner ihr Schwarm bleibt, desto häufiger knabbert sie an fremden Flossen herum. Dieses Verhalten zeigt sich bei praktisch allen Barbenarten, weshalb die Faustregel von 8 bis 10 Tieren für die ganze Gruppe der Cyprinidae gilt.

Als Berater empfehlen wir bei Zoo Roco, den Schwarm von Anfang an vollständig einzusetzen. Ein nachträgliches Aufstocken führt in der Praxis häufig zu Aggressionen und Krankheiten, was sich mit einer zentralen Empfehlung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen deckt: Einsteiger sollten Gruppenfische bereits beim Einzug in ausreichender Zahl einsetzen.

Verhaltensbiologisch werden Barben denn auch eher als Gruppenfische eingeordnet und nicht als klassische, synchron schwimmende Schwarmfische.

Gruppenfische, nicht Schwarmfische: Fachlich gelten Barben als Gruppenfische, nicht als synchron schwimmende Schwarmfische wie etwa Salmler. Sie halten zueinander lockeren Sichtkontakt, schwimmen aber nicht im geschlossenen Verband und bilden mit der Zeit eine klare Rangordnung.

Welche Barbenarten eignen sich für Ihr Aquarium?

Für die meisten Aquarien eignen sich vor allem fünf klassische Barbenarten: Sumatrabarbe, Fünfgürtelbarbe, Kirschbarbe, Odessabarbe und Prachtbarbe. Alle fünf schwimmen aktiv und ausdauernd, unterscheiden sich aber deutlich in Temperament, Wasseransprüchen und benötigter Beckengrösse.

Die Sumatrabarbe (Puntigrus tetrazona) gilt als besonders quirlig und ist die bekannteste Vertreterin ihrer Familie, verlangt aber auch am konsequentesten nach einem vollständigen Schwarm. Die Fünfgürtelbarbe wirkt im Vergleich dazu scheuer und verträglicher und fühlt sich in einem dicht bepflanzten Becken mit weichem Wasser am wohlsten. Kirschbarben (Rohanella titteya), oft auch Bitterlingsbarben genannt, zählen mit 4 bis 5 Zentimetern zu den kleineren und friedlicheren Arten und eignen sich deshalb gut für etwas kompaktere Aquarien.

Art

Temperatur

pH-Wert

Beckengrösse ab

Gruppengrösse

Sumatrabarbe

22-26 °C

6,0-8,0

112 l (80 cm Kante)

mind. 8-10

Fünfgürtelbarbe

23-28 °C

5,5-6,8

100-240 l

mind. 10

Kirschbarbe (Bitterlingsbarbe)

22-28 °C

6,0-7,0

54-112 l

ab 10

Odessabarbe

20-26 °C

6,0-7,5

ab 80 cm Kante

6-15

Prachtbarbe

16-25 °C

k. A.

ab 100 cm (ca. 160 l)

10-12

Die Odessabarbe (Pethia padamya) wurde erst 2008 wissenschaftlich als eigenständige Art beschrieben und ist trotz ihres russisch klingenden Namens ursprünglich in Myanmar beheimatet. Die Prachtbarbe (Pethia conchonius) fällt mit bis zu 15 Zentimetern in der Wildbahn aus dem Rahmen, bleibt im Aquarium aber meist bei 8 bis 10 Zentimetern und verträgt ungewöhnlich kühle Temperaturen. Weil die Literaturangaben zur Mindestbeckengrösse je nach Quelle spürbar variieren, gilt bei allen Arten die Faustregel: Wählen Sie das Becken eher grosszügiger als das absolute Minimum.

Sind Boraras (Zwergbärblinge) auch echte Barben?

Nein, Boraras zählen taxonomisch nicht zu den klassischen Barben, auch wenn sie im Zoofachhandel oft als kleine Barbenart angeboten werden. Die als Zwergbärblinge bekannte Gattung Boraras gehört zur Unterfamilie der Danioninae und wird im Alltagssprachgebrauch trotzdem häufig mit der Bitterlingsbarbe verwechselt. Mit 1,5 bis 3 Zentimetern Körperlänge sind Boraras die kleinsten barbenverwandten Schwarmfische überhaupt und brauchen weiches, saures Wasser mit einem pH-Wert von etwa 5,5 bis 6,6 bei 26 bis 28 °C. Halten Sie sie am besten in einer Gruppe von 10 bis 20 Tieren in einem ruhigen, dicht bepflanzten Artenbecken.

Wie gross muss das Aquarium für Barben sein?

Für die meisten Barbenarten sollte ein Aquarium ab rund 100 bis 120 Zentimetern Kantenlänge stehen, während kleinere Arten wie die Kirschbarbe laut Tierschutzverordnung auch mit dem gesetzlichen Minimum von 54 Litern auskommen. Wichtiger als die reine Literzahl ist bei Barben allerdings die Form des Beckens: Als aktive Schwimmer brauchen sie vor allem viel Länge und offene Fläche in der Wassersäule, nicht nur Volumen.

Nach der Schweizer Tierschutzverordnung berechnet sich das Mindestvolumen aus Körperlänge, einer artspezifischen Literzahl und der Fischanzahl. Zusätzlich gelten feste Mindestmasse für die Form des Beckens.

Gesetzliche Mindestmasse für die Beckenform: Nach Gesetz muss die Beckenlänge mindestens das Dreifache, die Breite mindestens das Zweifache und die Wassertiefe mindestens das Einfache der Körperlänge des grössten gehaltenen Fisches betragen.

Je grösser die Barbenart, desto grösser fällt damit automatisch auch das gesetzliche Mindestbecken aus. Wer beim Aquarium einrichten ohnehin ein grösseres Becken plant, hat später deutlich mehr Spielraum bei der Wahl und Kombination von Barbenarten. Achten Sie zusätzlich darauf, dass das Becken nicht von allen Seiten einsehbar ist und den Fischen Rückzugsorte, Pflanzendickicht und einen klaren Tag-Nacht-Rhythmus bietet, wie es die Tierschutzverordnung vorschreibt.

Mit welchen Fischen lassen sich Barben vergesellschaften?

Gute Beckenpartner für Barben sind andere aktive Schwarmfische wie Bärblinge oder robuste Schmerlen, während langsame, langflossige oder sehr ruhige Arten meist zu Konflikten führen. Skalare, Guppys, Kampf- oder Fadenfische tragen lange, auffällige Flossen und bewegen sich gemächlich durchs Becken, was ihre Flossen zu einem beliebten Ziel für zupfende Barben macht.

Innerhalb der eigenen Gattung funktioniert eine Vergesellschaftung mehrerer Barbenarten nur, wenn das Becken deutlich über der Mindestgrösse einer einzelnen Art liegt. Jede Art benötigt dabei weiterhin ihren eigenen vollständigen Schwarm von mindestens 8 bis 10 Tieren, damit die Rangordnung innerhalb der jeweiligen Gruppe funktioniert und sich die Aggression nicht auf die andere Barbenart verlagert. In der Praxis bedeutet das für zwei kombinierte Arten oft ein Becken ab 200 Litern aufwärts.

Welche Wasserwerte und Temperaturen brauchen Barben im Alltag?

Die meisten Barbenarten fühlen sich bei Temperaturen zwischen 22 und 26 °C und einem pH-Wert zwischen 6 und 7,5 am wohlsten. Die Prachtbarbe bildet dabei eine auffällige Ausnahme und kommt auch mit deutlich kühlerem Wasser gut zurecht.

Kühl-Spezialistin Prachtbarbe: Anders als die meisten tropischen Barben verträgt die Prachtbarbe Temperaturen von nur 16 bis 18 °C und profitiert laut Fachliteratur sogar von einer 2- bis 3-monatigen kühleren Winterruhe bei 17 bis 19 °C.

Bevor die ersten Barben einziehen, sollte ein neu eingerichtetes Aquarium mindestens vier Wochen ohne Fische laufen, damit sich die für die Wasserqualität wichtigen Bakterien im Filter und Bodengrund ansiedeln können. Kontrollieren Sie Temperatur und pH-Wert danach regelmässig, denn gerade weichwasserliebende Arten wie die Fünfgürtelbarbe reagieren empfindlich auf schwankende Werte. Mit passenden Wassertests behalten Sie pH-Wert und Härte im Blick, und wer den pH-Wert gezielt absenken möchte, sollte dabei immer langsam und kontrolliert vorgehen.

Gut geplant schwimmt der Barbenschwarm entspannt

Die Schwarmgrösse und die Beckengrösse hängen bei Barben enger zusammen, als es die reine Literzahl auf den ersten Blick zeigt: Ein vollständiger Schwarm von 8 bis 10 Tieren braucht automatisch mehr freie Schwimmfläche, als ein kleineres Becken je bieten kann, egal wie grosszügig die gesetzliche Mindestgrenze ausgelegt wird.

Wer also zuerst die Art und die Schwarmgrösse festlegt und danach das passende Becken wählt, spart sich spätere Umbauten und gestresste Fische. Bei Zoo Roco in Lyss beraten wir Sie gerne persönlich zur passenden Barbenart, Beckengrösse und Vergesellschaftung für Ihre Situation.

Häufige Fragen zu Barben im Aquarium

Vertragen sich Sumatrabarben mit Guppys?

Nein, Sumatrabarben und Guppys vertragen sich in der Regel schlecht. Guppys tragen lange, auffällige Flossen, an denen Sumatrabarben aus reinem Rangordnungsverhalten herumzupfen, besonders wenn ihr eigener Schwarm zu klein gehalten wird. Setzen Sie stattdessen auf andere aktive, kurzflossige Schwarmfische als Beckenpartner.

Wie viele Barben passen in ein Becken ab 100 Litern?

In einem Becken ab rund 100 Litern lässt sich meist ein vollständiger Schwarm von 8 bis 10 kleineren Barben wie Kirschbarben unterbringen. Grössere oder besonders aktive Arten wie die Sumatrabarbe oder Fünfgürtelbarbe brauchen für dieselbe Gruppengrösse eher ein Becken ab 112 bis 150 Litern. Prüfen Sie vor dem Kauf immer die konkreten Angaben zur gewählten Art.

Warum knabbern Barben an den Flossen anderer Fische?

Barben zupfen an fremden Flossen, weil sie ihre natürliche Rangordnung und ihr Balzverhalten kaum ausleben können, sobald zu wenige Artgenossen im Schwarm schwimmen. Ein zu kleiner Schwarm von unter 8 Tieren verstärkt dieses Verhalten deutlich, weil sich die Aggression auf wenige verbleibende Tiere und Nachbarn konzentriert. Ausreichend Artgenossen und viel freier Schwimmraum lenken die Energie der Fische spürbar ab.

Lassen sich mehrere Barbenarten in einem Aquarium kombinieren?

Ja, mehrere Barbenarten lassen sich kombinieren, wenn das Becken deutlich grösser ausfällt als das Minimum für eine einzelne Art. Jede Art braucht dabei weiterhin ihren eigenen Schwarm von mindestens 8 bis 10 Tieren, damit die Rangordnung innerhalb der jeweiligen Gruppe funktioniert. In kleinen oder mittelgrossen Becken führt das schnell zu Beckengrössen von 200 Litern und mehr.

Wie lange muss ein Aquarium einlaufen, bevor Barben einziehen?

Ein neu eingerichtetes Aquarium sollte mindestens vier Wochen ohne Fische laufen, bevor die ersten Barben einziehen. In dieser Zeit siedeln sich die für die Wasserqualität wichtigen Bakterien im Filter und Bodengrund an. Wer diese Phase abkürzt, riskiert Ammoniak- und Nitritspitzen, die gerade für einen ganzen Barbenschwarm gefährlich werden können.

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