Ihre Schildkröte benötigt die Winterstarre, und Sie können sie gut selbst begleiten, wenn das Tier gesund ist und die Kühle konstant bei 3 bis 7 °C bleibt. Das klingt nach viel Verantwortung, ist mit einem klaren Fahrplan aber machbar, auch beim ersten Mal.
Für Europäische Landschildkröten wie die Griechische oder Russische ist Winterstarre notwendig.
Die Kühlschrank-Methode bei 3 bis 7 °C ist für Einsteiger die sicherere Wahl.
Nur gesunde Tiere dürfen starren, kranke überwintern warm im Terrarium.
Über 10 % Gewichtsverlust in den 3 bis 5 Monaten der Starre ist das Signal zum Auswintern.
Was bei der Winterstarre im Körper Ihrer Schildkröte passiert
Die Winterstarre ist eine kältebedingte Ruhephase. Ihre Schildkröte ist wechselwarm (fachsprachlich poikilotherm), ihr Stoffwechsel sinkt also ganz von allein mit der Umgebungstemperatur. Ein Säugetier im Winterschlaf regelt sich dagegen aktiv herunter. Streng genommen ist „Winterschlaf“ für Schildkröten das falsche Wort, auch wenn es fast alle benutzen.
Den Startschuss gibt der Körper selbst. Die Zirbeldrüse (ein kleines Hormonorgan im Gehirn) registriert die kürzer werdenden Tage und steuert darüber die Schilddrüse. Sinken die Temperaturen unter 20 °C, arbeiten die Verdauungsenzyme weniger. Die Tiere fressen immer weniger, hören irgendwann ganz auf und entleeren den Darm teilweise. Unter 7 °C beginnt dann die eigentliche Starre.
Kurz erklärt: Wechselwarm heisst, dass Ihre Schildkröte keine eigene Körperwärme erzeugt. Kälte bremst ihren Stoffwechsel automatisch, Wärme treibt ihn an. Darum ist die Temperatur bei der Überwinterung der wichtigste Wert.
Fällt die Starre aus, drohen Stoffwechselprobleme und zu schnelles Wachstum. Dazu kommen Übergewicht und Leberschäden. Ein erfahrener Halter berichtet ausserdem, dass Tiere, die man im Winter wach hält, Höckerbildung und verfettete Organe entwickeln können, die sich nicht mehr zurückbilden. Wenn Sie sich fragen, ob die Kälte nicht doch zu riskant ist: Verständlich. Für Ihr Tier ist sie trotzdem die gesündere Wahl.
Welche Schildkröten überhaupt in Winterstarre dürfen
Winterstarre betrifft Europäische Landschildkröten wie die Griechische und die Russische. Die entscheidende Regel lautet: Nur gesunde Tiere gehen in die Starre. Kranke Schildkröten verbringen den Winter im Terrarium bei 35 bis 40 °C am Sonnenplatz.
Ob Ihr Tier fit genug ist, zeigt die Kotprobe im August, dazu gleich mehr. Bei Jungtieren im ersten Lebensjahr gehen die Meinungen auseinander. Mehrere Quellen lassen auch Babys starren, andere sind zurückhaltender. Klären Sie das vorher mit einem reptilienkundigen Tierarzt. Wie Sie die Kleinen im ersten Jahr halten, steht in unserem Ratgeber zur Aufzucht von Landschildkröten-Babys.
So bereiten Sie Ihre Schildkröte im Herbst richtig vor
Die Vorbereitung beginnt schon im Hochsommer. Dieser Ablauf hat sich bewährt:
Im August bringen Sie frischen Kot zum Tierarzt.
Vor dem Herbst prüfen Sie die Fitness und notieren das Ausgangsgewicht.
Sinken die Temperaturen unter 20 °C, lässt die Fresslust nach.
Eine Woche vor der Starre gibt es kein Futter mehr.
Kühlen Sie dann schrittweise über 20, 14 und 10 °C bis auf 4 bis 6 °C ab.
Ein lauwarmes Bad vor der Starre unterstützt die Darmentleerung. Dies geschieht in der natur durch den Herbstregen
Wissenswert: Ihre Schildkröte zieht während der Starre Nährstoffe aus dem Darminhalt. Wird der Darm mit zu viel Baden künstlich ganz geleert, kann sie in der Starre verhungern. Ein Rest im Darm ist also normal.
Kühlschrank oder Frühbeet: Welche Methode zu Ihrer Wohnsituation passt
Wir empfehlen Einsteigern den Kühlschrank. Er hält die Temperatur konstant, und genau das ist die Hauptgefahr im Freien. Warme Tage im zeitigen Frühjahr mit anschliessendem Frost bringen das Tier durcheinander. Deshalb setzen immer mehr Halter auf den Kühlschrank.
Methode | Platzbedarf | Kontrolle | Eignung |
|---|---|---|---|
Kühlschrank | Ein separater Kühlschrank in einem nicht zu warmen Raum | Temperatur per Thermostat konstant, Feuchte und Substrat leicht prüfbar | Wohnung ohne Garten, Einsteiger, Halter, die jede Woche nachsehen wollen |
Frühbeet oder Erdkeller | Garten oder frostfreier Keller | Temperatur folgt dem Wetter, Schwankungen im Frühjahr sind schwer zu steuern | Erfahrene Halter mit passendem Garten oder Keller |
Für die Kühlschrank-Variante brauchen Sie einen eigenen Kühlschrank ohne Lebensmittel. Ideal ist ein Gerät ohne Gefrierfach und ohne No-Frost, weil es sonst das Substrat austrocknet. Dazu kommen eine Überwinterungskiste mit lockerem, feuchtem Substrat und etwas Laub oder Sphagnum-Moos. Ein Universal-Thermostat und ein externes Thermometer sorgen für die Temperaturkontrolle.
Für den Sommer im Garten berät Zoo Roco Sie gern, passende Modelle finden Sie bei den Schildkrötengehegen. Die genannten Werte stammen aus Fachquellen im deutschsprachigen Raum. Wie kalt und wechselhaft Ihr Winter in der Schweiz wird, hängt stark vom Standort ab. Das spricht für die kontrollierbare Variante.
Temperatur, Feuchtigkeit und Kontrolle während der Starre
Diese Zielwerte gelten für die Starre:
Wert | Ziel |
|---|---|
Temperatur | 3 bis 7 °C, möglichst konstant (eine Reptilienpraxis arbeitet mit 4 bis 6 °C) |
Luftfeuchtigkeit | 50 bis 70 %, im Kühlschrank eher 60 bis 70 % |
Substratfeuchte | ca. 55 %, es fühlt sich leicht feucht an |
Dauer | 3 bis 5 Monate, grob November bis März |
Gewichtsverlust | Richtwert höchstens 10 % |
Die Waage ist Ihr wichtigstes Kontrollinstrument. Auch Reptilienpraxen mit Überwinterungsservice wiegen jede Schildkröte wöchentlich. Das lässt sich zu Hause gut nachmachen: Öffnen Sie den Kühlschrank kurz, wiegen Sie das Tier und tragen Sie das Gewicht danach ein. Bei der Gewichtsgrenze gehen die Angaben auseinander: Die meisten Fachportale ziehen die Linie bei 10 %, tierärztlich werden bis zu 15 % genannt. Wir halten uns an 10 %. Das gibt Ihnen einen Sicherheitsabstand.
Der Messfühler eines Thermostats im Substrat, etwa vom UT 300, zeigt die Temperatur dort, wo Ihr Tier tatsächlich liegt. Ein Hygrometer misst die Luftfeuchte. Passende Technik finden Sie im Terraristik-Sortiment von Zoo Roco.
Praxis-Tipp: Mit Wasser gefüllte PET-Flaschen im Kühlschrank puffern Temperaturschwankungen ab, wenn Sie die Tür öffnen.
Warnsignale während der Starre: Wann Sie eingreifen müssen
Beenden Sie die Starre, sobald eines dieser Zeichen auftaucht, und zwar langsam über etwa fünf bis sechs Tage:
Starke Unruhe, Hautveränderungen oder Nekrosen (abgestorbene Hautstellen)
Wurmbefall, Nasenausfluss, geschwollene Augen oder Beläge im Maul
Rote Flecken am Bauchpanzer, Schimmel auf Substrat oder Tier
Gewichtsverlust über der 10-Prozent-Marke
Dazu kommt die Schwäche, die Reptilienpraxen bei ihren Kontrollen erkennen und die auf eine Sepsis (Blutvergiftung) hindeuten kann. Bei roten Flecken oder Nasenausfluss fahren Sie am besten direkt zum Reptilientierarzt. Rufen Sie vorher kurz an, damit man Sie erwartet.
Richtig auswintern: So wacht Ihre Schildkröte sicher auf
Das Aufwärmen dauert rund 10 Tage und darf nicht schneller gehen. Der Kreislauf muss langsam in Schwung kommen. So läuft es ab:
Stellen Sie die Kiste in einen Raum mit 10 bis 15 °C.
Heben Sie die Temperatur über etwa 10 Tage auf Zimmertemperatur an.
Geben Sie dann ein Bad in handwarmem Wasser (22 °C).
Beobachten Sie Appetit und Aktivität.
Fit ist Ihre Schildkröte, wenn sie aktiv wird und frisst. Wirkt sie dagegen schläfrig und kraftlos oder verweigert sie dauerhaft das Futter, gehört sie zum Reptilientierarzt. Rote Verfärbungen am Bauchpanzer sind ein Notfall und werden sofort vorgestellt. Sie können auf Sepsis oder Erfrierungen hindeuten.
Die häufigsten Fehler bei der Winterstarre und wie Sie sie vermeiden
Aufwärmen nicht zu schnell: Kiste an mässig warmen Ort stellen.
Substratfeuchte optimal halten: etwa 55 %, regelmässig lüften.
Zu intensives Baden vor der Starre vermeiden, leert den Darm komplett.
Gewicht wöchentlich wiegen und dokumentieren.
Nur gesunde Tiere in die Starre; Kotprobe im August prüfen.
Wacht Ihre Schildkröte zwischendurch von selbst auf, bleiben Sie ruhig. Bieten Sie ihr Trinkwasser an und halten Sie sie kühl. Keine Wärmelampe und kein warmes Bad, sonst kommt der Kreislauf zu stark in Schwung und die Starre kann nicht fortgesetzt werden.
Der Winter als Jahresaufgabe: Was jetzt zu tun bleibt
Die Winterstarre ist kein einmaliger Kraftakt im Herbst. Sie ist ein Jahreszyklus, der mit der Kotprobe im August beginnt und mit der Fitness-Prüfung im März endet. Das einfachste Frühwarnsystem dazwischen bleibt ein Gewichtsprotokoll: Tragen Sie bei jedem Wiegen Datum und Gewicht ein und notieren Sie, was Ihnen auffällt.
Legen Sie Thermostat und Hygrometer bereit, bevor das Fasten beginnt. Dann ist alles bereit, wenn Ihr Tier die letzten Bissen frisst. Bei Fragen rund um Ihre Methode beraten wir Sie bei Zoo Roco gern, auch während der Starre.
Häufige Fragen zur Winterstarre
Darf eine Jungschildkröte im ersten Lebensjahr schon in Winterstarre?
Meistens ja, aber nur nach tierärztlicher Absprache. Mehrere Quellen lassen auch Jungtiere im ersten Lebensjahr starren, andere raten zur Zurückhaltung. Ein Gesundheitscheck vorab zeigt, ob Ihr Jungtier fit genug ist.
Was tue ich, wenn im Kühlschrank Schimmel am Substrat auftritt?
Beenden Sie die Starre langsam über fünf bis sechs Tage und stellen Sie Ihr Tier einem Reptilientierarzt vor. Schimmel auf Substrat oder Tier gehört zu den Abbruchkriterien. Vorbeugen lässt er sich mit regelmässigem Lüften und einem Substrat, das nur leicht feucht ist.
Kann ich die Winterstarre verkürzen, wenn ich im Frühjahr früher verreisen möchte?
Selten, und wenn, dann nur innerhalb der üblichen drei bis fünf Monate. Gewicht und Verhalten Ihres Tieres geben den Zeitplan vor. Das Auswintern selbst dauert rund 10 Tage, planen Sie Reisen daher lieber ab Ende März.
Brauchen Russische und Griechische Landschildkröten unterschiedliche Starre-Bedingungen?
Die Eckwerte gelten für beide: 3 bis 7 °C, 50 bis 70 % Luftfeuchte, drei bis fünf Monate. Wie lange Ihr Tier tatsächlich starrt, kann sich je nach Art und Einzeltier unterscheiden. Massgeblich bleiben Gewicht und Verhalten.
Wo finde ich Thermostat und Hygrometer für die Überwinterung?
Schauen Sie im Terraristik-Sortiment von Zoo Roco nach, online oder bei uns im Geschäft in Lyss. Welche Messgeräte zu Ihrer Methode passen, besprechen wir gern persönlich mit Ihnen.