Aquariumpflanzen richtig düngen – was Pflanzen wirklich benötigen

Kräftig wachsende, sattgrüne Wasserpflanzen machen ein Aquarium nicht nur optisch attraktiv. Sie erfüllen auch wichtige Aufgaben im kleinen Ökosystem: Sie produzieren Sauerstoff, bieten Fischen und Wirbellosen Versteckmöglichkeiten und nehmen Nährstoffe aus dem Wasser auf.

Damit Wasserpflanzen gesund wachsen können, benötigen sie jedoch mehr als nur Licht und Wasser. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Fehlt nur ein wichtiger Baustein, kann das Wachstum ins Stocken geraten.

Das Minimumgesetz – der knappste Nährstoff entscheidet

Bei der Pflanzendüngung spielt das sogenannte Liebigsche Minimumgesetz eine wichtige Rolle.

Vereinfacht gesagt bedeutet es: Das Wachstum einer Pflanze wird durch denjenigen Nährstoff oder Wachstumsfaktor begrenzt, der am wenigsten zur Verfügung steht.

Ein Beispiel: Im Aquarium sind ausreichend Nitrat, Kalium, Phosphat und Spurenelemente vorhanden, aber den Pflanzen fehlt CO₂. In diesem Fall können sie die vorhandenen Nährstoffe nicht optimal nutzen. Mehr Dünger löst das Problem dann nicht.

Dasselbe gilt umgekehrt: Eine starke Beleuchtung und eine gute CO₂-Versorgung bringen wenig, wenn unter anderem Nitrat oder Eisen fehlen.

Deshalb sollte bei Problemen mit dem Pflanzenwachstum immer das gesamte System Aquarium betrachtet werden.

Licht – der Motor des Pflanzenwachstums

Licht liefert den Pflanzen die Energie für die Photosynthese. Je stärker ein Aquarium beleuchtet wird, desto höher ist in der Regel auch der Bedarf der Pflanzen an CO₂ und Nährstoffen.

Aquarien können grob in schwach, mittel und stark beleuchtete Becken unterteilt werden. Bei einer sehr intensiven Beleuchtung von etwa 50 Lumen pro Liter oder mehr steigen die Ansprüche der Pflanzen deutlich.

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass mehr Licht immer besser ist. Eine starke Beleuchtung ohne entsprechende Versorgung mit CO₂ und Nährstoffen kann das Gleichgewicht im Aquarium stören.

Entscheidend ist deshalb, dass Beleuchtung und Nährstoffversorgung zueinanderpassen.

CO₂ – ein wichtiger Baustoff für Pflanzen

Kohlenstoff gehört zu den wichtigsten Grundbausteinen einer Pflanze. Wasserpflanzen nehmen diesen unter anderem in Form von Kohlendioxid – CO₂ – auf.

In stärker bepflanzten oder intensiv beleuchteten Aquarien kann eine zusätzliche CO₂-Versorgung deshalb sinnvoll oder sogar notwendig sein.

Als Richtwert für gut bepflanzte Aquarien werden etwa 20 mg CO₂ pro Liter Wasser genannt. Über einen CO₂-Dauertest lässt sich die Versorgung einfach überwachen.

Wichtig ist dabei: Auch CO₂ sollte nicht isoliert betrachtet werden. Steigt die verfügbare Menge an CO₂, können die Pflanzen schneller wachsen und benötigen entsprechend mehr weitere Nährstoffe.

Die Makronährstoffe: Stickstoff, Phosphor und Kalium

Zu den wichtigsten Pflanzennährstoffen gehören Stickstoff, Phosphor und Kalium, häufig kurz als NPK bezeichnet.

Nitrat – Stickstoff für kräftiges Wachstum

Stickstoff wird im Aquarium hauptsächlich in Form von Nitrat aufgenommen. Er wird unter anderem für den Aufbau von Eiweissen und Pflanzengewebe benötigt.

Ein Orientierungsbereich liegt bei etwa:

Nitrat: 10–25 mg/l

Zu wenig Nitrat kann zu schwachem Wachstum und hellen oder gelblichen Blättern führen.

In Aquarien mit vielen Fischen entsteht Nitrat laufend durch die Stoffwechselprozesse im Aquarium. Stark bepflanzte Becken mit relativ geringem Fischbesatz können dagegen zusätzlich Nitrat benötigen.

Phosphat – wichtig für Energie und Stoffwechsel

Phosphor wird von den Pflanzen unter anderem für verschiedene Stoffwechsel- und Energieprozesse benötigt.

Als Richtwert kann eine Phosphatkonzentration von ungefähr:

0,5–1 mg/l

angestrebt werden.

Ein Nährstoffverhältnis von ungefähr 1 Teil Phosphat zu 16 Teilen Nitrat ist eine Empfehlung.

Phosphat wird häufig vorschnell mit Algenproblemen in Verbindung gebracht. Für Wasserpflanzen ist Phosphor jedoch ein lebensnotwendiger Nährstoff. Entscheidend ist auch hier eine ausgewogene Versorgung.

Kalium – oft ein unterschätzter Nährstoff

Kalium spielt bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen der Pflanzen eine Rolle. Es ist unter anderem für den Wasserhaushalt und verschiedene Transportprozesse innerhalb der Pflanze wichtig.

Ein sinnvoller Orientierungsbereich liegt bei:

Kalium: 5–10 mg/l

Ein Kaliummangel kann sich beispielsweise durch Schäden oder kleine Löcher in älteren Blättern bemerkbar machen. Solche Symptome müssen allerdings immer im Kontext der übrigen Wasserwerte beurteilt werden.

Magnesium nicht vergessen

Auch Magnesium gehört zu den wichtigen Pflanzennährstoffen. Es ist unter anderem Bestandteil des Chlorophylls und damit unmittelbar an der Photosynthese beteiligt.

Im Verhältnis zu Kalium wird empfohlen, den Magnesiumwert ungefähr auf das Doppelte des Kaliumwertes abzustimmen.

Wie viel Magnesium bereits im Aquarium vorhanden ist, hängt unter anderem vom verwendeten Leitungswasser ab. Ein Blick auf die Wasseranalyse des lokalen Wasserversorgers kann deshalb hilfreich sein.

Eisen und Spurenelemente

Neben den Makronährstoffen benötigen Wasserpflanzen verschiedene Mikronährstoffe. Dazu gehören unter anderem Eisen, Mangan und weitere Spurenelemente.

Besonders bekannt ist Eisen, da es unter anderem bei der Bildung von Chlorophyll eine wichtige Rolle spielt.

Als Orientierungswert für Eisen wird ein Bereich von etwa:

0,05–0,1 mg/l

genannt.

Mikronährstoff- oder Eisendünger enthalten normalerweise nicht nur Eisen, sondern gleichzeitig eine Reihe weiterer wichtiger Spurenelemente.

Viel Dünger hilft nicht automatisch viel

Bei Problemen mit Wasserpflanzen besteht schnell die Versuchung, einfach mehr Dünger ins Aquarium zu geben. Das ist jedoch nicht immer die richtige Lösung.

Sind ausreichend Nährstoffe vorhanden, aber Licht oder CO₂ fehlen, können die Pflanzen zusätzlichen Dünger gar nicht entsprechend verwerten.

Deshalb sollte man nicht nach dem Prinzip «viel hilft viel» düngen.

Besser ist es, die Pflanzen zu beobachten und gleichzeitig die wichtigsten Wasserwerte im Auge zu behalten.

Warum entstehen trotz Düngung Algen?

Algen werden häufig als Zeichen dafür angesehen, dass zu viele Nährstoffe vorhanden sind. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

Probleme entstehen oftmals dann, wenn das Gleichgewicht zwischen folgenden Parametern nicht stimmt:

  • Licht
  • CO₂
  • Makronährstoffen
  • Mikronährstoffen
  • Pflanzenmasse
  • und Pflege

Wachsen die Wasserpflanzen beispielsweise aufgrund eines Nährstoffmangels nur langsam, können sie andere vorhandene Nährstoffe weniger gut verwerten.

Deshalb ist eine möglichst vollständige und ausgewogene Nährstoffversorgung häufig sinnvoller als das vollständige Weglassen einzelner Nährstoffe aus Angst vor Algen.

Jedes Aquarium hat einen anderen Bedarf

Richtwerte sind eine gute Orientierung, aber kein Aquarium gleicht dem anderen.

Ein dicht bepflanztes Aquascape mit starker Beleuchtung und CO₂-Anlage benötigt wesentlich mehr Nährstoffe als ein eher schwach beleuchtetes Gesellschaftsaquarium mit wenigen langsam wachsenden Pflanzen.

Auch der Fischbesatz spielt eine Rolle. Futterreste und Ausscheidungen liefern beispielsweise bereits Stickstoff und Phosphor.

Deshalb sollte die Düngung immer an das jeweilige Aquarium angepasst werden.

Pflanzen beobachten – sie zeigen uns viel

Neben Wassertests sind die Pflanzen selbst ausgezeichnete Indikatoren.

Achten Sie beispielsweise auf:

  • neue Blätter und Triebe
  • Blattfarbe
  • Löcher oder Schäden an älteren Blättern
  • verkrüppelten Neuaustrieb
  • ungewöhnlich langsames Wachstum
  • verstärktes Auftreten von Algen

Nicht jedes Schadbild lässt sich eindeutig einem einzigen Nährstoff zuordnen. Die Beobachtung der Pflanzen zusammen mit den gemessenen Wasserwerten liefert deshalb die besten Hinweise.

Zoo-Roco-Tipp

Ändern Sie bei Problemen mit dem Pflanzenwachstum nicht mehrere Faktoren gleichzeitig.

Überprüfen Sie zuerst Beleuchtung, CO₂-Versorgung und die wichtigsten Nährstoffwerte. Nehmen Sie anschliessend gezielte Anpassungen vor und beobachten Sie die Entwicklung der Pflanzen über mehrere Tage beziehungsweise Wochen.

So können Sie wesentlich besser erkennen, welche Massnahme tatsächlich eine Verbesserung bewirkt hat.

Eine ausgewogene Düngung bedeutet nicht, möglichst viele Produkte ins Aquarium zu geben. Ziel ist vielmehr, den Pflanzen alle benötigten Nährstoffe in einer passenden Menge zur Verfügung zu stellen.

Sind Licht, CO₂ sowie Makro- und Mikronährstoffe aufeinander abgestimmt, schaffen Sie damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für kräftige und gesunde Wasserpflanzen – und damit auch für ein attraktives und stabiles Aquarium.

Richtwerte auf einen Blick

FaktorOrientierungswert
CO₂ca. 20 mg/l
Nitrat (NO₃)10–25 mg/l
Phosphat (PO₄)0,5–1 mg/l
Kalium (K)5–10 mg/l
Magnesium (Mg)etwa doppelt so hoch wie Kalium
Eisen (Fe)0,05–0,1 mg/l

Quelle und Inspiration: my-fish TV #123 – «Grundlagen der Düngung im Aquarium – Was Pflanzen brauchen» mit Tobias Gawrisch.


Autor: Therese Schumacher

Geschäftsführerin Zoo Roco / eidg. Dipl. Detailhandelskaufmann / Tierpflegerausweis / Erwachsenenbildnerin / Prüfungsexpertin im Zoofachhandel und Mastertrainerin / Autorin von Schulunterlagen/ Präsidentin Verband Zoologischer Fachgeschäfte der Schweiz / Hobby Fotografie-Reisen.ch Zoo Roco Team:/ Thesi IST der Zoo Roco in menschlicher Gestalt. Seit über 30 Jahren führt sie erfolgreich dieses Fachgeschäft und tut dies mit einer so grossen Leidenschaft, dass es seinesgleichen sucht. Thesi ist unser Superhirn, weil sie über jede Bestellung und jeden Artikel genausten Bescheid weiss - es gibt selten eine Frage, für die Thesi nicht eine Antwort bereit hat - und falls ein solcher Fall vorliegt, zögert sie nicht, ihr riesiges Netzwerk anzuzapfen um an fundierte Antworten zu kommen. Egal also welches Anliegen Sie haben - mit Thesi sind Sie bei der richtigen Person.

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