Labyrinthfische wie der Siamesische Kampffisch, der Fadenfisch oder der Paradiesfisch atmen zusätzlich zu den Kiemen über ein Labyrinthorgan direkt Luft von der Wasseroberfläche. Fehlt ihnen dieser Zugang dauerhaft, können selbst erwachsene Tiere in sauberem, gut durchlüftetem Wasser ersticken. Für Ihr Aquarium bedeutet das: Abdeckung, Wasseroberfläche und Beckenklima entscheiden über die Gesundheit dieser Fische.
Bei Zoo Roco beraten wir regelmässig Aquarianer, die sich erstmals an Kampffisch, Fadenfisch oder Gurami herantasten. Wer die Unterordnung Anabantoidei einmal verstanden hat, sieht schnell, warum ruhiges, warmes Wasser und eine geschlossene Abdeckung bei dieser Fischgruppe zur Grundausstattung gehören.
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Das Labyrinthorgan macht viele Arten zu obligaten Luftatmern, die ohne Oberflächenzugang ersticken können.
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Eine Abdeckung mit Luftschlitzen hält die Luftschicht warm und schützt das empfindliche Organ vor Entzündungen.
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Kampffisch- und Paradiesfisch-Männchen bekämpfen sich bis zum Tod, wenn zwei Rivalen im selben Becken landen.
Was ist das Labyrinthorgan und warum atmen diese Fische Luft?
Das Labyrinthorgan ist ein stark gefaltetes, gut durchblutetes Atmungsorgan oberhalb der Kiemen, mit dem Labyrinthfische Sauerstoff direkt aus der Luft aufnehmen. Fachleute nennen es deshalb auch Suprabranchialorgan, weil es oberhalb der Kiemenhöhle sitzt und funktional wie eine zweite Lunge arbeitet.
Vollständig ausgebildet ist dieses Organ erst nach den ersten Lebenswochen, weshalb Jungfische zunächst allein über die Kiemen atmen und besonders sauerstoffreiches Wasser benötigen. Bei erwachsenen Tieren zeigt sich die Abhängigkeit von der Luftatmung besonders deutlich beim Paradiesfisch: Verwehrt man ihm dauerhaft den Weg zur Oberfläche, kann er selbst in makellos sauberem, sauerstoffreichem Wasser ersticken, weil sein Körper auf die zusätzliche Luftaufnahme angewiesen ist.
Gut zu wissen: Das Labyrinthorgan ist beim Schlupf noch nicht funktionsfähig. Jungfische atmen deshalb in den ersten Lebenswochen ausschliesslich über die Kiemen und reagieren empfindlich auf schlechte Wasserwerte.
Warum braucht ein Aquarium mit Labyrinthfischen eine geschlossene Abdeckung?
Eine Abdeckung mit Luftschlitzen hält die Luftschicht direkt über dem Wasser warm und schützt so das empfindliche Labyrinthorgan vor einer Erkältung. Ist die Raumluft über einem offenen Becken spürbar kühler als das Wasser selbst, oft reichen schon rund 5 Grad Differenz, kann sich das Organ entzünden.
Betroffene Fische atmen dann sichtbar angestrengt an der Oberfläche, wirken abgeschlagen oder verweigern das Futter. Wichtig ist dabei die Balance bei der Abdeckung: Sie muss dicht genug schliessen, um die warme Luftschicht zu halten, gleichzeitig aber Luftschlitze besitzen, damit Ihre Fische jederzeit frische Luft atmen können. Passende Technik von der Abdeckung bis zum Heizer finden Sie in unserem Ratgeber Aquarium-Zubehör kaufen: Diese Grundausstattung zählt.
Welches Wasser mögen Kampffisch, Fadenfisch und Gurami?
Labyrinthfische bevorzugen ruhiges, warmes und wenig durchströmtes Wasser, weil ihre wilden Vorfahren aus stehenden oder langsam fliessenden Gewässern wie Reisfeldern, Sümpfen und Tümpeln stammen. Eine kräftige Strömungspumpe wirkt auf diese Fische wie Dauerstress, ein schwach eingestellter Innenfilter oder ein Mattenfilter reicht für die meisten Arten dagegen völlig.
Trotz der schwachen Filterung bleibt stabile Wasserqualität entscheidend, denn wenig Strömung bedeutet nicht automatisch wenig Pflegeaufwand. Wer regelmässig kontrolliert, ob Nitrit, Nitrat und pH-Wert im grünen Bereich liegen, erkennt Probleme, bevor sie sich im Becken zeigen. Wie das konkret gelingt, beschreiben wir in unserem Ratgeber Wasserwerte im Aquarium messen. Eine Ausnahme bei der Temperatur bildet der Paradiesfisch, den wir weiter unten separat vorstellen.
Welche Labyrinthfischarten eignen sich für Ihr Aquarium?
Zu den bekanntesten Labyrinthfischen für das heimische Aquarium zählen der Siamesische Kampffisch, der Zwergfadenfisch, der Blaue Fadenfisch, der Honiggurami und der Paradiesfisch. Sie unterscheiden sich deutlich in Grösse, Temperament und Platzbedarf, weshalb sich ein genauer Blick auf jede Art lohnt.
Siamesischer Kampffisch (Betta splendens)
Der Siamesische Kampffisch (Betta splendens) ist der bekannteste Labyrinthfisch überhaupt und zugleich der revierbewussteste: Zwei Männchen im selben Becken bekämpfen sich, bis eines der Tiere stirbt, weshalb die Einzelhaltung des Männchens die Regel bleibt. Für die dauerhafte Einzelhaltung nennt die Fachliteratur 30 bis 54 Liter als Richtwert, für Paar- oder Haremshaltung eher 80 bis 100 Liter oder mehr.
Eine Verhaltensstudie der Universität Giessen aus dem Jahr 2022 zeigt, dass Betta-Männchen in einem 35-Liter-Becken (40 x 32 x 28 cm) dieselben Aktivitäts- und Verhaltensmuster zeigen wie in einem 55-Liter-Becken. Die Studie bezieht sich auf langflossige Zuchtformen aus Deutschland und liefert damit einen Orientierungswert, keinen Freibrief für winzige Gläser.
Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius)
Der Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius) bleibt mit 5 bis 6 Zentimetern deutlich kleiner als der Kampffisch und baut ebenfalls Schaumnester. Fehlt dem Weibchen ausreichend Deckung, jagt das Männchen es so lange, bis es an Erschöpfung stirbt, weshalb dichte Bepflanzung mit Rückzugsräumen in der oberen Beckenhälfte zur Pflicht wird.
Worauf beim Kauf achten: Kommerziell in Massenzucht produzierte Zwergfadenfische, vor allem auffällige Farbzuchtformen, leiden häufig am unheilbaren Zwergfadenfisch-Iridovirus. Bei importierten Beständen liegt die Sterblichkeit teils bei über 22 Prozent. Wählen Sie deshalb aktive, vitale Tiere ohne auffälliges Verhalten und bevorzugen Sie, wo möglich, Nachzuchten aus regionaler Zucht.
Blauer Fadenfisch / Gurami (Trichopodus trichopterus)
Der Blaue Fadenfisch (Trichopodus trichopterus), oft schlicht Gurami genannt, wächst mit 11 bis 15 Zentimetern deutlich über die Grösse von Kampffisch und Zwergfadenfisch hinaus. Für eine artgerechte Haltung benötigt er ein Aquarium ab etwa 160 Litern mit mindestens 100 Zentimetern Kantenlänge, bei mehreren Männchen in der Gruppe sogar ab 300 Litern.
Honiggurami (Trichogaster chuna)
Der Honiggurami (Trichogaster chuna) bleibt mit 4 bis 5 Zentimetern klein und gilt als der friedlichste unter den gängigen Fadenfischen. Paarweise lässt er sich bereits ab rund 54 bis 60 Litern bei 22 bis 28 Grad halten, wobei Männchen in Brutstimmung eine kräftige orange-schwarze Färbung zeigen.
Paradiesfisch (Macropodus opercularis)
Der Paradiesfisch (Macropodus opercularis) nimmt unter den Labyrinthfischen eine Sonderstellung ein: Anders als die meisten tropischen Arten verträgt er dauerhaft kühlere Temperaturen von etwa 15 bis 20 Grad bis über 26 Grad und lässt sich deshalb auch unbeheizt oder saisonal im Gartenteich halten. Er zählt neben dem Goldfisch zu den ersten exotischen Zierfischen, die überhaupt nach Europa kamen.
Zwei ausgewachsene Männchen vertragen sich nicht und bekämpfen sich im schlimmsten Fall bis zum Tod, während ein harmonierendes Brutpaar sogar ein komplettes 300-Liter-Becken für sich beanspruchen kann. Bei der Brutpflege teilen sich die Partner die Aufgaben: Das Männchen bewacht das Schaumnest, das Weibchen verteidigt das Revier drumherum.
Wie zeigen sich Schaumnestbau und Aggression bei Labyrinthfischen?
Die meisten Labyrinthfische kümmern sich über ein Schaumnest aus luftgefüllten, mit Sekret umhüllten Bläschen um ihren Nachwuchs, das ein Männchen an Wasserpflanzen befestigt und energisch verteidigt. Bei der Paarung umschlingt es dafür das Weibchen fest in einer Art Umarmung, bei der die Eier befruchtet und anschliessend gemeinsam ins Nest befördert werden.
Die Aggressivität rund um Nest und Revier bleibt nicht auf die Paarungszeit beschränkt. Beim Kampffisch werden auch Weibchen ausserhalb der Fortpflanzungsphase häufig gejagt, und ein zu eng gehaltenes oder schlecht strukturiertes Becken kann bei Zwergfadenfisch und Paradiesfisch dazu führen, dass ein Männchen unterlegene Rivalinnen oder Rivalen so lange bedrängt, bis diese sterben.
Vergesellschaftung im Alltag: Halten Sie grundsätzlich nur ein Kampffisch- oder Paradiesfisch-Männchen pro Becken. Weibchen und friedlichere Arten wie der Honiggurami brauchen dichte Bepflanzung und mehrere Sichtblockaden, damit sie sich bei Bedarf aus dem Blickfeld eines dominanten Männchens zurückziehen können.
Welche Mindestgrösse schreibt die Schweizer Tierschutzverordnung für Labyrinthfische vor?
Die Schweizer Tierschutzverordnung schreibt in Anhang 2, Tabelle 8, für Zieraquarien ein Mindestvolumen von 54 Litern vor, das auch bei Labyrinthfischen nicht unterschritten werden sollte. Grössere Becken laufen dabei ohnehin wasserchemisch stabiler.
Zusätzlich verlangt die Verordnung, dass Aquarien nicht von allen Seiten frei einsehbar sind: Fischen mit ausgeprägtem Revierverhalten wie dem Kampffisch oder dem Paradiesfisch muss zumindest in Teilen des Beckens Sichtschutz und Rückzugsraum zur Verfügung stehen. Mit rund drei Millionen Tieren in Schweizer Haushalten zählen Aquarienfische laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zu den beliebtesten Heimtieren des Landes. Wer ein neues Becken für Labyrinthfische plant, findet die nötigen Schritte von Technik bis Besatz in unserem Ratgeber Aquarium einrichten: Schritte, Technik und Besatz.
Was das Labyrinthorgan mit Schweizer Recht verbindet
Das Labyrinthorgan erklärt am Ende auch, warum der Gesetzgeber in der Schweiz auf Mindestvolumen und Sichtschutz besteht. Nur ein ausreichend grosses, ruhiges Becken mit stabiler Wasserqualität und geschützten Rückzugsorten erlaubt diesen Fischen, ihr namensgebendes Organ tatsächlich artgerecht zu nutzen, ohne dass Revierkämpfe oder kalte Zugluft zum Problem werden.
Bevor der erste Kampffisch oder Fadenfisch einzieht, klären Sie deshalb am besten drei Dinge: die passende Beckengrösse für die gewählte Art, eine Abdeckung mit Luftschlitzen und eine ruhige Zone ohne starke Strömung. Wer sich unsicher ist, welche Art zum eigenen Becken passt, beginnt am besten mit dem robusteren, allein gehaltenen Kampffisch oder dem genügsamen Honiggurami, bevor er sich an anspruchsvollere Gruppen wie den Blauen Fadenfisch wagt.
Häufige Fragen zu Labyrinthfischen im Aquarium
Wie viele Liter benötigt ein einzelner Kampffisch wirklich?
Für die dauerhafte Einzelhaltung eines Kampffisch-Männchens reichen laut Fachliteratur 30 bis 54 Liter aus. Eine Verhaltensstudie der Universität Giessen bestätigt sogar für 35-Liter-Becken mit langflossigen Zuchtformen ein normales Aktivitätsniveau. Grössere Becken bleiben aber wasserchemisch stabiler und damit pflegeleichter.
Kann ich zwei Kampffisch-Männchen zusammen in einem grossen Becken halten?
Nein, auch ein grosses Becken verhindert Kämpfe zwischen zwei Kampffisch-Männchen nicht zuverlässig. Die Tiere reagieren aggressiv aufeinander, sobald Sichtkontakt besteht, und Kämpfe können bis zum Tod eines Tieres führen, weshalb Sie pro Becken immer nur ein Männchen halten sollten.
Warum baut mein Kampffisch-Männchen ein Schaumnest, obwohl kein Weibchen im Becken ist?
Der Schaumnestbau ist bei Kampffisch-Männchen ein angeborenes Verhalten und läuft weitgehend unabhängig von der Anwesenheit eines Weibchens ab. Sobald die Wassertemperatur stimmt und sich das Tier wohlfühlt, befestigt es Luftblasen an der Oberfläche, ganz gleich, ob später tatsächlich gelaicht wird.
Verträgt der Paradiesfisch auch kaltes Wasser oder einen unbeheizten Gartenteich?
Ja, der Paradiesfisch gehört zu den wenigen Labyrinthfischen, die dauerhaft kühlere Temperaturen zwischen etwa 15 und 20 Grad vertragen. Deshalb lässt er sich saisonal auch unbeheizt oder im Gartenteich halten, während die meisten anderen Arten in diesem Artikel durchgehend warmes, tropisches Wasser benötigen.

